Valentinstag: Gefragte Liebesbriefe

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Liebesbriefe sind eine literarische Ausdrucksform, die Frauen und Männer am meisten anspricht. Zahlreiche Bücher führen in die Kunst des Schreibens von Liebesbriefen ein.
(Symbolbild: Kurt Schnidrig)

Immer noch braucht es heute etwas Mut, seine Gefühle zu zeigen. Liebesbriefe handeln von Sehnsucht und Glück, aber auch von Traurigkeit und Abschied. Berühmte Männer der Weltgeschichte wie zum Beispiel Beethoven, Goethe, Napoleon, Lord Byron und Kafka stellten sich der Herausforderung, die Liebe in Worte zu fassen. Verschiedene Sammlungen mit den schönsten Liebesbriefen sind in Buchform erschienen und erzählen auch von den Geschichten, welche die verliebten Verfasser*innen dieser Briefe bewegt und berührt haben.

Die neue Lust am Briefeschreiben. Es scheint, als hätten Filme wie „Sex and the City“ die Lust an klassischen Liebesbriefen neu erweckt. Millionen von Zuschauern kennen die Szene, in der Carrie ihrem Mr. Big aus dem Buch „Liebesbriefe grosser Männer, Band 1“ vorliest. Das Buch stellt 50 Liebesbriefe grosser Männer vor und erzählt die Geschichten hinter den Briefen. Die Herausgeber Petra Müller und Rainer Wieland widmen ihr Werk „Für alle Frauen, die sich nach grossen Gefühlen sehnen. Für alle Männer, die wissen wollen, wie man die Herzen der Frauen erobert.“ (Petra Müller, Rainer Wieland: Liebesbriefe grosser Männer, Band 1, Marixverlag). Die Geschichten erzählen von Glück und Unglück, vom Verlieben und Scheiden, von Eifersucht, Schwärmerei, Verzweiflung, von der zauberhaften ersten Liebe, aber auch vom Ideal der ewigen Liebe.

„Nimm meine Seele auf und trinke sie…“ Besonders einfühlsam lesen sich Liebesbriefe, die von weiblicher Hand verfasst worden sind. Die berühmte Philosophin Ricarda Huch bezeichnete den Brief als diejenige literarische Ausdrucksform, die insbesondere den Frauen am meisten entspricht: zwanglos, spontan, impulsiv, leidenschaftlich. Bettina von Arnim, George Sand, Annette von Droste-Hülshoff, Emily Dickinson, Clara Schumann – sie und viele andere bedienten sich jener „weiblichen“ Form des Briefes um ihrer Gefühlswelt adäquaten Ausdruck zu verleihen. (Liebesbriefe grosser Frauen, Marixverlag).

„Schreiben Sie mir, oder ich sterbe“. Unter diesem Titel sind die schönsten Liebesgeschichten berühmter Frauen und Männer als gebundenes Buch erschienen (Piper Verlag, 2016). „Seien Sie mein Schutzengel, meine Muse und meine Madonna“, schrieb da zum Beispiel Charles Baudelaire an eine Frau, mit der ihn eine unerfüllte Liebe verband. Grosse Emotionen wie Sehnsucht, Treue, Verwirrung und Verzweiflung finden in diesen Briefen ihren unmittelbaren Ausdruck, oft entstehen literarische Meisterwerke daraus. Der aufwändig ausgestattete Band versammelt auch Briefe von Marlene Dietrich, Edith Piaf, Oscar Wilde und Virginia Woolf.

„Ich werde das Land durchwandern, das Du bist“. Unter diesem Titel ist der Briefwechsel zweier Liebender, des Walliser Dichterpaares Corinna Bille und Maurice Chappaz, zu einem prachtvollen Band zusammengefasst. Lis Künzli fasst im Vorwort zusammen: „Was wir vor uns haben, ist der Briefwechsel zweier Liebender, deren Liebe von Anfang an von den Worten und durch die Worte lebt.“ (S. 8). In diesem Band finden sich so allerliebste Passagen wie diese: „Mein Liebster, im Paradiesgarten zirpen die Grillen, und ich höre ihnen zu, während ich hoch oben in meinem Turm an Dich denke. Deine Zärtlichkeit umhüllt Körper und Seele noch immer wie ein Balsam.“ (S. 31).

Nichts beflügelt die Seele mehr als die Liebe. Liebesbriefe grosser Dichter bezeugen dies. Schon Giacomo Casanova wusste: „Die Liebe ist ein grosser Dichter“.

Text und Foto: Kurt Schnidrig

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