Martin Suter: Spurensuche auf Ibiza

Der neue Roman von Martin Suter spielt auf Ibiza – ich besuchte die Schauplätze des Romans. (Fotos: Kurt Schnidrig)

Der Schweizer Schriftsteller Martin Suter braucht zum Schreiben den Ortswechsel. Gleich an drei verschiedenen Wohnsitzen holt er sich die Inspiration für seine Romane. Es sind dies Zürich, Guatemala und Ibiza. Sein neuster Roman spielt auf Ibiza. Schon seit längerer Zeit arbeitet Suter am Aufbau einer Krimi-Reihe mit dem Protagonisten Johann Friedrich von Allmen. Eigentlich ist von Allmen ein armer Schlucker, und daran ist er selbst schuld. Er hat sein ganzes Vermögen verjubelt, seine Villa hat er verkaufen müssen, und jetzt lebt er in einem schäbigen Gartenhäuschen. Aber von Allmen ist ein Blender, seine Geschäfte tätigt er hart an der Grenze des Erlaubten. Trotz seiner Finanzprobleme verkehrt von Allmen als Hochstapler in den oberen Zehntausend der Gesellschaft. Oder eben – wie im neusten Roman – in der Schickeria von Ibiza. Der Roman heisst „Allmen und der Koi“.

„Allmen und der Koi“ spielt auf der Party-Insel Ibiza. (Foto: Schnidrig)

Verbrecherjagd auf Ibiza. Einem Musikproduzenten kommt ein exklusives Haustier abhanden. Es handelt sich um einen Fisch, genau genommen um einen sogenannten Koi-Karpfen. Das sind riesige Fische, die ein halbes Vermögen wert sein können. Was dann passiert, ist schnell erzählt: Auf der Suche nach dem gestohlenen Tier ereignen sich Unfälle und sogar ein schrecklicher Mord. Ein Schulfreund des Protagonisten von Allmen ist es, der ums Leben kommt. Ausserdem in diesen Mordfall verstrickt sind sexy Skandinavierinnen. Und sogar die Gattin des Ermittlers in dieser Mordgeschichte geht schon in der ersten Nacht mit von Allmen ins Bett.

Der neue Suter-Roman gibt sich erotisch. Sexy Skandinavierinnen machen sich auf Ibiza verdächtig… (Foto: Schnidrig)

Ferien-Feeling auf Ibiza. Weisse Häuser, blauer Himmel und heisse Sommersonne: Da kommt beim Lesen ganz viel Ferienstimmung auf.

Die Landschaft und die Strassencafés in Martin Suters Roman lassen sich auf Ibiza problemlos wiederfinden. (Foto: Schnidrig)

Wo bleiben die Gedankenexperimente? An die grossartigen Martin-Suter-Romane, die er vor der Jahrtausendwende veröffentlicht hatte, kommt der neue Allmen-Krimi jedoch nicht heran. Den Durchbruch schaffte Martin Suter mit dem Roman „Small World“. Das Grundthema in diesem Roman ist die Altersdemenz. Zuvor arbeitete der gebürtige Zürcher als Werbetexter und Creative Director. Bekanntheit erlangte er durch seine Blogs und Kolumnen wie „Business Class“ und „Richtig leben mit Geri Weibel“. Von der internationalen Literaturkritik wird Martin Suter vor allem für seinen Roman „Die dunkle Seite des Mondes“ hochgelobt. Darin schildert er, wie ein Wirtschaftsanwalt neue Inspiration in der Natur sucht und dafür einen Pilztrip in Kauf nimmt. Verführt zum Pilztrip wird er von einem Hippie-Girl. War Suter auch hierzu inspiriert von der Hippie-Insel Ibiza?

Hippie-Girls auf Ibiza. Im Roman „Die dunkle Seite des Mondes“ ist es ein Hippie-Girl, das einen gestandenen Wirtschaftsanwalt auf einen Trip mit Pilzen mitnimmt. (Foto: Schnidrig)

Verführt von einem Hippie-Girl. Der Protagonist in „Die dunkle Seite des Mondes“ ist der Wirtschaftsanwalt Urs Blank. Er lebt mit seiner langjährigen Freundin Evelyn Vogt zusammen. Alles scheint perfekt. Doch dann trifft er auf einem Flohmarkt Lucille, ein Hippie-Girl. Die beiden kommen sich schnell näher. Urs Blank geniesst das Leben mit Lucille in vollen Zügen und lässt sich sogar zu einem meditativen Wochenende im Wald überreden. Das Hippie-Girl und dessen Kollegenkreis verführen Urs Blank zu einem Pilz-Trip im Wald. Während des Trips verändert er sich stark. Er hat das Gefühl, die Welt als Alleinherrscher regieren zu können. Dann aber läuft alles aus dem Ruder. Urs Blank wird gewalttätig. Als er realisiert, dass der Pilz-Trip an den Veränderungen seiner Persönlichkeit schuld ist, rät ihm sein Freund und Psychiater, den Trip zu wiederholen. Er findet heraus, dass der Grund für seine Veränderung ein sehr kleiner Pilz ist. Nur wenn es Blank gelingt, den kleinen Pilz zu finden und den Trip korrekt zu wiederholen, wird er sein Gewissen zurückerlangen und seine Gewalttätigkeit ablegen können…

Martin Suter liest aus „Die dunkle Seite des Mondes“. (Foto: Kurt Schnidrig)

Martin Suters Botschaft. Wenn es in den Werken von Martin Suter eine Botschaft gibt, dann ist es diese: Nehmt euch nicht so wichtig! Als Autor ist er angetan von der Vorstellung, dass ein zivilisierter Zeitgenosse sich plötzlich verändert. Häufig hat die Natur die Bedeutung des Unbewussten und des Unschuldigen. In „Die dunkle Seite des Mondes“ ist es der Wald ein Ort, wo Gut und Böse aufgehoben sind. In „Allmen und der Koi“, Suters neustem Roman, ist es die Hippie-Insel Ibiza.

Die Trommelbucht auf Ibiza mit dem „Finger Gottes“ im Hintergrund. Auf der Hippie-Insel spielt „Allmen und der Koi“, der neuste Suter-Roman. (Foto: Schnidrig)

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Text und Fotos: Kurt Schnidrig

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