Eine Maschine als Freundin oder Geliebte? Wie Künstliche Intelligenz unsere Beziehungen verändern könnte

Werden wir bald einmal mit Maschinen sprechen, und zwar so, als wäre die Maschine unsere Freundin oder Geliebte? Ein Szenario, das Christoph Koch in seinem Sachbuch entwirft. (Symbolbild: Kurt Schnidrig)

«Hallo, wie fühlst du dich heute?», fragt Autor Christoph Koch in seinem Buch und liefert die Antwort gleich mit, indem er zeigt, wie Künstliche Intelligenz unsere Beziehungen verändern könnte.

Im deutschsprachigen Raum hat sich Sachbuchautor Christoph Koch mit Themen wie Digitalisierung, gesellschaftlicher Wandel und Psychologie im Alltag zu einer absoluten Kapazität aufgeschwungen.

In seinem neusten Buch erzählt Christoph Koch von Menschen, die mit einer Künstlichen Intelligenz zusammenleben wie mit einer emotionalen Partnerin. Ein ganzes Jahr lang hat er sich auf die Suche gemacht nach Menschen, die mit KI leben. Mit Menschen, die sich mit Hilfe von KI verlieben. Mit Menschen, die zusammen mit KI trauern. Mit Menschen, die KI als Therapeutin wertschätzen.

Eine ehemalige Sozialarbeiterin versichert, ein Chatbot habe ihr aus ihrer Depression geholfen und ihr das Leben gerettet. Ein IT-Fachmann gesteht, er habe derart starke Gefühle für eine KI-Figur entwickelt, dass er sich nun mit seiner echten Partnerin entzweit habe. Eine junge Frau berichtet, wie es ihr gelungen sei, mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz ihre Ess-Störung erfolgreich zu überwinden.

Sowas liest sich vielversprechend. Lässt sich aber verallgemeinern, dass Künstliche Intelligenz imstande sein soll, unsere anfälligen menschlichen Beziehungen zum Positiven zu verändern? Zugegeben, nach der Lektüre von Christoph Kochs Sachbuch könnten so manche Lesende in Versuchung geraten, der ominösen und immer noch rätselhaften KI ihr Vertrauen zu schenken.

Fakt ist, dass jetzt schon Millionen von Menschen ihre tiefsten Ängste, Hoffnungen und Geheimnisse ihrer KI anvertrauen. Sie suchen bei ihrer KI den Trost, die Freundschaft, die Therapie und manchmal auch die Liebe, die ihnen emotionale Menschen aus Fleisch und Blut im wahren Leben verweigern.

Was bei einigen mit etwelcher Neugierde auf Künstliche Intelligenz beginnt, kann im Handumdrehen sehr intensiv und menschlich berührend werden. Die Frage sei erlaubt: Kann oder darf dies unsere Zukunft sein?

Bald einmal würden wir mit Maschinen sprechen, und zwar so, als wären die Maschinen unsere Freundinnen oder Geliebten. Dieses Szenario entwirft Christoph Koch in seinem Sachbuch. Wir würden uns von Maschinen beraten lassen, von Maschinen trösten lassen.

Je natürlicher uns die Maschinen beraten, trösten und weiterhelfen, desto deutlicher stellt sich die philosophische Kardinalsfrage: Was eigentlich macht eine menschliche Beziehung im Kern wirklich aus?

Respekt oder gar Angst vor einer so gearteten Zukunft ist angebracht. Was bleibt von uns Menschen aus Fleisch und Blut noch übrig, wenn wir uns daran gewöhnen, dass da immer «jemand» da ist, eine Maschine, die nie müde wird, die nie genervt wirkt, die immer so tut, als würde sie uns verstehen? Was geschieht dann mit unseren Gefühlen, mit unseren Hoffnungen, Träumen und Visionen?

Eine Maschine, nennen wir sie KI, ist ein Lügengebilde. Sie simuliert, zugegebenermassen recht glaubwürdig. Und sie tut so, als würde sie uns verstehen. Recht hat, wer zum Entschluss gelangt, KI sei kaum mehr als ein gut ausgetüfteltes Computerspiel.

Was alles könnten digitale Systeme mit uns Menschen anstellen? Eine Frage, die zurzeit wohl kaum jemand schlüssig beantworten kann. Eine Frage, die uns noch lange beschäftigen könnte. Ein guter Einstieg zur angesagten Debatte ist das Buch von Christoph Koch mit dem unverfänglichen Titel «Hallo, wie fühlst du dich heute?»  

Zum Autor: Christoph Koch, geboren 1974, ist Journalist und Sachbuchautor. Regelmässig schreibt er für Medien wie «Die Zeit» oder das SZ-Magazin. Digitalisierung, gesellschaftlicher Wandel und Psychologie im Alltag sind seine bevorzugten Themen. Er veröffentlichte mehrere recht erfolgreiche Sachbücher, darunter den SPIEGEL-Bestseller «Ich bin dann mal offline», ein Selbstversuch zu einem Leben ohne Internet. In seinen Büchern plädiert er für ein gesundes Verhältnis zwischen Mensch und Technik, für eine «Digitale Balance». In seinem Schreiben verbindet er persönliche Perspektiven und fesselndes Erzählen mit journalistischer Recherche.

Christoph Koch: Hallo, wie fühlst du dich heute? Wie künstliche Intelligenz unsere Beziehungen verändert. 272 Seiten. Verlag Kein & Aber 2026.
Hören Sie dazu den Podcast aus der Sendung Literaturwelle von Radio Rottu Oberwallis. (Quelle: rro / Kurt Schnidrig / Vera Bumann)

Text, Bild und Radiosendung: Kurt Schnidrig