„Die Odyssee“ – was uns das griechische Epos von Homer heute noch zu sagen hat

„Die Odyssee“ ist der angesagte Sommer-Blockbuster dieses Jahres, eine Literatur-Adaption des Epos von Homer (Bild: Kurt Schnidrig)

Regisseur Christopher Nolan hat das griechische Epos von Homer verfilmt. Der Action-Fantasy-Film ist eine Literatur-Adaption. Protagonist in „The Odyssey“ ist Odysseus, der griechische König von Ithaka. Er ist nach dem Trojanischen Krieg auf einer langen und gefährlichen Heimreise zurück zu seiner Frau Penelope.

Auf der Heimreise trifft Odysseus auf mythische Wesen. Dazu gehört etwa der Zyklop Polyphem, ein einäugiger Riese. Odysseus riskiert auch eine Begegnung mit den Sirenen, mit weiblichen Mischwesen, halb Fisch und halb Frau, die mit ihrem zauberhaften Gesang die Seefahrer anlocken, um sie zu töten.

Bis Odysseus schliesslich zurück zu seiner Frau Penelope findet, begibt er sich auf gefährliche und abenteuerliche Irrfahrten. Die märchenhaften und phantastischen Irrfahrten des Odysseus gehören seit der Antike bis heute zu den wichtigsten Werken der Weltliteratur.

Bereits im Jahr 730 v. Chr. hatte Homer die Odysseus-Geschichten niedergeschrieben. Damit sollte er bis heute zahlreiche literarische Werke inspirieren und beeinflussen. Erwähnt seien beispielsweise die Geschichten von Sindbad dem Seefahrer aus „Tausendundeiner Nacht“.

Auch der Roman „Ulysses“ von James Joyce, einer der grössten und besten Romane des 20. Jahrhunderts, ist eine Literatur-Adaption des Odysseus-Epos von Homer. James Joyce hatte eine moderne und detailgetreue Version der Odyssee hergestellt, die sich im heutigen Irland, in Dublin, abspielt.

Kann der Film „The Odyssey“ die grossen Leistungen der Antike ins rechte Licht rücken? Bei derartigen Fragestellungen scheiden sich die Geister. Unsere gesamte europäische Kultur gründet zu einem grossen Teil auf der griechischen Antike. Die Griechen und ihre Leistungen sind Pflichtstoff in unseren Schulen seit eh und je, Kenntnisse über das griechische Kulturgut gehören zur Allgemeinbildung.

Kritiker wenden allerdings ein, das griechische Volk sei nach der mythischen Antike nicht verschwunden, die griechische Kutltur sei nicht bloss in klassischem Marmor verewigt. Ebenfalls sei auch die griechische Sprache noch keineswegs ausgestorben.

„Wir sind immer noch da“, sagen führende Persönlichkeiten in Griechenland. Die Menschen in Griechenland möchten nicht reduziert werden auf die Historie, die sich bereits 700 Jahre vor Christi Geburt abgespielt hat.

Was aber hat die Geschichte von Odysseus, der gegen Sirenen, Zyklopen und launische Götter kämpfte, uns Heutigen noch zu sagen? Der legendäre Held beweist Mut, Scharfsinn und tiefe Menschlichkeit. Das klassische Werk ist ein wichtiger Baustein im Fundament unserer abendländischen Literatur. Das Epos von Homer verbindet die Generationen mit einer erzählerischen Kraft, die bis heute unerreicht bleibt.

Homer: „Odyssee“. 454 Seiten. Aus dem Altgriechischen von F. Lempp. Insel, 2026

Deshalb die Empfehlung: Lesen! Die Odyssee. Die weltberühmte Geschichte einer Irrfahrt und einer Heimkehr. Eine neue Schmuckausgabe, die sich ebenso flott liest wie ein zeitgenössischer Roman, ist kürzlich im Insel-Verlag erschienen.

Zum Autor: Homer wurde vermutlich im 8. Jahrhundert v. Chr. geboren. Die Wissenschaft streitet sich bis heute um seinen Geburtsort. Wurde Homer in Smyrna, Athen, Ithaka oder in einer anderen griechischen Stadt geboren? Auch das Leben des Epikers liegt weitgehend im Dunkeln der Geschichte, weil zuverlässige Quellen aus dieser Zeit fehlen. Zugeschrieben werden Homer die umfassenden Epen Ilias und Odyssee. Doch ist Homer der einzige Verfasser dieser historischen Geschichten, oder war da vielleicht sogar ein Autoren-Kollektiv am Werk? Unbestritten jedoch ist die weltweite Anerkennung Homers seit der Antike bis heute.  

Hören Sie dazu den Podcast aus der Sendung Literaturwelle von Radio Rottu Oberwallis (Quelle: rro / Kurt Schnidrig / Tiziana Imoberdorf / Daniel Theler)

Text, Bild und Radiosendung: Kurt Schnidrig