
Krisen, Kriege, Katastrophen. Die „3 K“ sind aus Sicht der Medienanbieter seit jeher ein sicherer Garant, dass sich ihr Produkt verkaufen lässt. Aus ökonomischen Gründen sind Medienhäuser darauf angewiesen, ihr Publikum zu erreichen. „Only bad news are good news“, schlechte Nachrichten scheinen ein grösseres Zielpublikum zu generieren.
Tatsächlich lässt sich dieser Befund psychologisch begründen. In einer frustrierenden Gegenwart, in der Beziehungen kentern und Träume sich zu Albträumen verkehren, bleibt oftmals tief in uns eine erschreckende Leere zurück. Die „bad news“ füllen diese Leere, sie rütteln uns auf, sie verhindern ein Abdriften aus dem Strom der täglichen Informationsflut, sie verführen uns dazu, „dranzubleiben“, um nicht dem Schrecken dieser Welt durch Unwissen zum Opfer zu fallen.
Wir öffnen Augen und Ohren für die „bad news“, weil uns Gefahren drohen könnten. Damit reaktivieren wir uralte Reaktionsmuster, die wir womöglich aus der Steinzeit in unsere moderne Zeit hinübergerettet haben.
Medien, und insbesondere Bücher, die uns in eine gute Stimmung versetzen, sind zwar Mangelware, aber es gibt sie. Beim Stöbern in meiner Lieblingsbuchhandlung stiess ich kürzlich auf einen Buchtitel, der mich faszinierte und der mir augenblicklich ein Lächeln ins Gesicht zauberte: „Guten Morgen, schönes Wetter heute“. Das ist doch schon mal ein Romantitel, der hellhörig macht und die Hoffnung auf „good news“ nährt.
„Guten Morgen, schönes Wetter heute“ ist ein Roman der Autorin Tanja Kokoska. Sie war viele Jahre Redakteurin der Frankfurter Rundschau. Heute arbeitet sie als freischaffende Journalistin und Autorin, unter anderem auch für die Satireseite „Die Wahrheit“ der überregionalen deutschen Tageszeitung (taz).
Im Roman „Guten Morgen, schönes Wetter heute“ ist tatsächlich auch drin, was draufsteht: Wohlfühllektüre. Ein perfektes Buch für alle, die sich nach einer heilen Welt sehnen. Ein Buch mit freudvollen Geschichten, die sich schlussendlich doch auch wieder zu einer einzigen grossen und harmonischen Romanstory vereinen.
Allerdings ist das Setting des Romans vorerst noch wenig erfreulich. In einer Wohnsiedlung leben mehr als 100 Menschen. Alle diese Menschen hausen zwar in unmittelbarer Nähe zueinander, aber dennoch ist jede und jeder einsam und allein. Da ist zum Beispiel die Frau mit dem Namen Ina. Sie arbeitet in einem Tatoo-Studio und zieht ihren Sohn Harry allein auf. Und jedes Mal, wenn sie sich verliebt, hofft sie, dass der Liebesgott Amor es doch dieses Mal wirklich ernst meine mit ihr. Aber nein, immer geht etwas schief.
In der Wohnsiedlung leben auch noch andere Menschen, die darauf hoffen, dass das Glück endlich auch bei ihnen einkehren möge. Zum Beispiel die Frau, die Gedichte und zauberhafte Texte in eine Pralinen-Schachtel verpackt und im Geschäft ihrer Kundschaft feilbietet.
Viele Menschen leben auf engstem Raum zusammen und haben doch kaum etwas miteinander zu tun, obschon keine und keiner gern allein sein möchte. Was muss geschehen, damit all diese einsamen Menschen zueinander finden? Zuviel sei nicht verraten. Nur so viel: Das Glück steht vor der Tür, man muss es aber zur Tür hereinlassen.
Tatsächlich braucht es ein Ereignis, einen Wink des Schicksals, damit die Menschen zusammenrücken. Und dass sogar die einsame und verlassene Frau Ina endlich jenem Menschen begegnet, mit dem zusammen die Liebe aufkeimen kann.
Tanja Kokoska, die Autorin, hat mit „Guten Morgen, schönes Wetter heute“ ein zauberhaftes Buch geschrieben. Die Figuren erlauben den Lesenden viel Einfühlung. Man freut sich mit ihnen, dass sich ihr Leben zum Besseren wendet. Niemand sollte sein Leben allein und in trister Einsamkeit verbringen müssen. Die Sehnsucht nach Glück, Zufriedenheit und Gemeinschaft soll und muss schlussendlich gestillt werden können.

Text, Bild und Radiosendung: Kurt Schnidrig