Rekordversuch in der Eigernordwand: Kletterei mit tödlichem Ausgang im neuen Krimi von Irène Mürner

Handelt es sich um einen Unfall am Berg? Oder war es Mord? Der neue Krimi von Irène Mürner wirft spannende Fragen auf und fasziniert nicht nur Kletterer und Berggänger (Symbolbild: Kurt Schnidrig)

«Eigerduell» – so heisst der neue Kriminalroman der Autorin Irène Mürner. Der Eiger ist mit 3967 Metern der Hauptkamm der Berner Alpen. Besonders die Nordwand des Eigers fasziniert Bergsteiger und Touristen gleichermassen.

Immer wieder machen dramatische Kletterversuche von sich reden, die weltweit für Schlagzeilen sorgen. Angetrieben von Ehrgeiz und von versuchter Selbstbestätigung, erklimmen Rekordsüchtige die steile Wand.

Im Kriminalroman der Autorin Irène Mürner ist es die beste Schweizer Speed-Kletterin, die für Schlagzeilen sorgt. Arielle von Känel möchte den Rekord an der Eigernordwand brechen, einen Rekord, den ihre Rivalin aufgestellt hat.

Doch noch bevor es zum Duell der besten Schweizer Speed-Kletterinnen kommt, wird Arielle von Känel leblos am Fusse ihres Trainings-Berges aufgefunden. Was ist da passiert? Ist es ein Unfall? Oder geht es gar um Mord? Hat irgendjemand den Rekordversuch von Arielle von Känel, der besten Schweizer Speedkletterin, verhindern wollen? Ist womöglich sogar ihre angesagte Rivalin und Herausforderin die Mörderin? Oder ist Arielle von Känel ihr Ehrgeiz zum Verhängnis geworden?

Antworten auf all diese Fragen zu finden, das ist der Job von Megan Jäger, der Mord-Ermittlerin. Als dann am Berg gar noch eine weitere Leiche aufgefunden wird, glauben viele des Rätsels Lösung gefunden zu haben. Geht es auf unseren Berggipfeln nicht zuletzt auch um Ruhm und Ehre? Treibt die Rekordsucht die Berggänger zu tödlichen Eskapaden? Hat die eigene Selbstinszenierung von Kletterinnen und Bergsteigern oftmals einen tödlichem Ausgang zur Folge?

Die Spannung auf das Ende der Krimi-Geschichte ist beim Lesen dieses Mürner-Krimis nicht das einzige Highlight. Es ist auch die Ermittlerin selber, es ist diese Megan Jäger mit ihren afrikanischen Wurzeln, die uns Lesende unweigerlich in ihren Bann zieht. Wir identifizieren uns mit der sympathischen Mord-Ermittlerin, und dies nicht alleine wegen ihres exquisiten Privatlebens.

Beim Lesen fasziniert die bestens gelungene psychologische Fundierung des Kriminalromans. Für Bergsteigerinnen und Kletterer könnte die klare Botschaft des Buches womöglich gar lebensrettend sein: Lasst die nötige Vorsicht walten, besonders sommers über, wenn nicht wenige unsere Berge als Wettkampf- und Rekordgelände betrachten. Fanatismus und Missgunst dürfen bei Rekordjagden am Berg nicht überhandnehmen.

Beeindruckend ist auch die Feststellung, die sich für manche Leserinnen und Leser nach der Lektüre dieses Buches ergeben könnte: Eine misslungene Bergbesteigung ist noch lange keine Katastrophe. Aus Rückschlägen lässt sich immer auch für das eigene Leben etwas lernen. Liebe Kletterer und Bergsteiger, lasst euch nicht entmutigen. Auch nach Misserfolgen wartet immer wieder eine neue grossartige Challenge auf euch!

Iréne Mürner: „Eigerduell“. 288 Seiten. Gmeiner Verlag 2026

Zur Autorin: Die gebürtige St. Gallerin Irène Mürner war Weltenbummlerin, Lehrerin in Wil, Polizistin in Zürich, Guide im Tropenhaus Frutigen sowie Flight Attendant weltweit. Heute ist sie in der Bibliothek und im Schlossmuseum Spiez anzutreffen. «Eigerduell» ist ihr dritter Kriminalroman aus dem Berner Oberland, wo sie zusammen mit ihrer Familie am Thunersee lebt.

Hören Sie dazu den Podcast aus der Sendung Literaturwelle von Radio Rottu Oberwallis (Quelle: rro / Kurt Schnidrig / Karin Imhof)

Text, Bild und Radiosendung: Kurt Schnidrig