
Auf der einen Seite das Zürcher Establishment, vertreten durch die noble Welt des Kunsthandels und durch eine renommierte Anwaltskanzlei, spezialisiert auf Kunstrecht. Auf der anderen Seite ein Walliser, seit vier Jahrzehnten in Zürich zuhause, zäh, unbeugsam und mit dem Starrsinn einer Eringerkuh ausgestattet. Die Ursache für die Auseinandersetzung: Eine Lappalie. Das Besondere am Verlauf der Auseinandersetzung: Der Walliser bestimmt, wo es langgeht. Was ihm zupass kommt: Irgendwann unterläuft seinen Zürcher Gegnern ein Lapsus, der alles verändert – und ein Buch (KI-assistiert) möglich macht.
Der wahre Kern der Geschichte, ein Rechtsstreit, habe ganz einfach zu wenig hergegeben für eine Buchproduktion, gesteht der Verleger Rico Erpen zu Beginn der Veranstaltung in der ZAP Brig. Deshalb habe man den «wahren Kern» mit Aktuellem aller Art vermischt. Dass Verleger und Autor offen und transparent den Einsatz von KI bei der Buchproduktion eingestehen, ehrt sie. Die Rechtslage beim Urheberrecht für KI-Texte ist zurzeit in der Schweiz noch anders als in den USA und in der EU. National- und Ständerat werden wohl demnächst einen schlüssigen Gesetzesentwurf zum Urheberrecht im Zusammenhang mit KI ausarbeiten.
Autor Peter Kuonen versichert, das Buch sei zwar KI-assistiert, aber nicht KI-generiert. Die beiden Begriffe beschreiben zwei fundamental unterschiedliche Grade der Beteiligung von Künstlicher Intelligenz an der Erstellung von Inhalten.
Peter Kuonen erklärt, was ein KI-generierter Artikel ist: „Die KI verfasst den Artikel weitgehend oder vollständig. Der Journalist übernimmt den Text, allenfalls mit kleinen Anpassungen, und veröffentlicht ihn als eigene Arbeit. Ein Journalist, der so vorgeht, würde wohl seinen Job verlieren.“
Peter Kuonen erläutert, was ein KI-assistierter Artikel ist: «Selbstverständlich veröffentlichen Journalisten heutzutage (meist) Artikel, die mit Unterstützung von KI entstanden sind. Sie recherchieren, bewerten die Informationen und schreiben ihre Texte selbst, nutzen KI aber beispielsweise für die Rechtschreibung, die sprachliche Überarbeitung oder einzelne Formulierungsvorschläge – so, wie auch ich sie beim Schreiben meines Buches genutzt habe. Die journalistische Arbeit und die Verantwortung bleiben bei ihnen.»
Peter Kuonen weiss auch: «Ein Lektor hätte in meinem Buch wahrscheinlich weitere Korrekturen angebracht». Tatsächlich. Ob weniger nicht mehr gewesen wäre? Muss ein Roman auf 360 Seiten hochgepusht werden? Zum Vergleich: Mit seiner «Königin der Nacht», einem «kurzen Buch über meine Mutter», hat es Lukas Bärfuss auf die Shortlist des Schweizer Buchpreises geschafft und gilt als Kronfavorit für den Schweizer Buchpreis 2026. Die «Königin der Nacht» begeistert mit gerade mal 126 Seiten.
Die Botschaft in «David gegen Goliath» kommt bestens rüber. «Auch wenn ein Goliath kommt – man muss um sein Recht kämpfen», sagte Autor Peter Kuonen in der ZAP Brig. Der Autor gibt sich als Kämpfernatur. Er kämpft mit Instinkt. Im Stile einer Eringerkuh. Wie einer mit «Steinschleuder gegen Panzer». Peter Kuonen hält jedoch auch ehrlich, offen und mit einem Augenzwinkern fest: «Es braucht beim Lesen meines Buches Humor und Sinn für Satire».

Autor Peter Kuonen im rro-Interview
Kurt Schnidrig: «David gegen Goliath», so heisst dein Buch. Ein Walliser kämpft gegen einen Zürcher – oder umgekehrt?
Peter Kuonen: Der Goliath ist eine grosse Anwaltskanzlei und eine renommierte Galerie in Zürich. Sie sind die Goliaths und ich bin der David.
Peter, du sagst «Ich bin der David». Dürfen wir davon ausgehen, dass dein Buch autobiografisch ist? Oder hast du dein Buch mit etwas Fiktion angereichert?
Es handelt sich um eine wahre Geschichte, die aber aus rechtlichen Gründen verfremdet ist. Die Geschichte allein jedoch kann ich in einem Buch nicht bringen. Deshalb habe ich auch fiktive Geschichten hineingemischt und zudem auch Dinge, die politisch oder sportlich in diesen 52 Tagen, während denen ich gegen dieses Establishment kämpfe, sich ereignet haben. Beim Lesen des Buches weiss man deshalb nie so richtig, was wahr ist und was nicht, der Leser soll das selber herausfinden.
Du sagst, dass David während 52 Tagen gegen Goliath kämpfe. Der Goliath ist auch eine noble Zürcher Kunstgalerie. Dürfen wir festhalten: Du legst dich in deinem Buch mit dem Zürcher Establishment an? Oder ist dieser Sachverhalt allzu überspitzt formuliert?
Das kann man so sagen. Der kleine David aus dem Wallis ist unbeugsam und legt sich mit dem Zürcher Establishment an. Ich habe gekämpft. Meine Vorbilder waren die Eringer Kühe. Die Eringer Kühe sind wie ein roter Faden, der durch das Buch hindurchgeht.
Darf ich davon ausgehen, dass du demnach selber Besitzer von Eringer Kühen bist? Oder hat dich bei Kuhkämpfen der Charakter von Eringer Kühen dermassen beeindruckt?
Auf der Alp habe ich auch schon Kuhkämpfe miterlebt, und ich habe mir auch im Fernsehen die Übertragung von Kuhkämpfen angesehen. Ich bin sehr beeindruckt von diesen Kampfkühen.
Da dürfen wir also nun gespannt sein, wie sich deine Beobachtungen im Kampf gegen das Zürcher Establishment auswirken. Dein Buch hat zwei Teile. Im zweiten Teil nimmt die Geschichte eine überraschende Wendung. Zu viel wollen wir nicht verraten. Vielleicht aber doch so viel: Es geht im zweiten Teil auch um die Buchproduktion.
Ich kann so sagen: Wenn ich andere Bücher aufschlage, ist da immer zu lesen, welche Stiftung oder wer auch immer dieses Buch unterstützt hat. Ich bin in meinem Buch niemanden um Unterstützung angegangen, denn so einen «Hobby-Kritzler» wie ich einer bin, würde wahrscheinlich sowieso niemand unterstützen. Aber als der Abschluss meines Buches für mich leider allzu schnell nahte, kam mir noch eine Idee. Alle, die ich in meinem Buch erwähnt habe, gedachte ich nun zu kontaktieren zwecks «product placement». Ich besuchte diese Unternehmen in der Hoffnung, dass sie die Buchproduktion unterstützen. Darunter waren so illustre Adressaten wie der Vatikan, der Bischof von Sitten oder Donald Trump. Immerhin hatte Donald Trump praktisch postwendend eine Reaktion gezeigt: Trump hatte mir mitgeteilt, dass ich das Buch zollfrei in die USA einführe könne. Das war doch schon mal eine gute Reaktion.
Peter, viele kennen dich auch noch von deinem ersten Buch her. Es trägt den Titel «Härdibulljo: Geit iischers urchig Wallisertitsch no z graagersch?» Du hast dich humorvoll mit dem Walliserdeutsch auseinandergesetzt. Geht es in deinem neuen Buch gar todernst zu wie bei einem Kampf zwischen Eringerkühen? Wie steht es bezüglich des Humors in deinem neuen Buch?
Da kann ich eine ganz klare Ansage machen: Für Humor-Allergiker ist mein Buch «David gegen Goliath» nicht geeignet. Es braucht vor allem für den ersten Teil des Buches einen Sinn für Humor, für Satire und für Dramaturgie. Im zweiten Teil kommt zum Humor und zur Satire auch noch der Bluff hinzu, das Imponiergehabe. Diesbezüglich ist Donald Trump mit seinem Ego im Vergleich zu mir ein Messdiener.
Hast du aus deiner Sicht noch Wichtiges hinzuzufügen, lieber Peter?
Ja. Die Geschichte spielt sich zwar in Zürich ab. Aber ich habe vieles ins Wallis verlagert und am Schluss entführe ich meine Leserschaft auch noch nach Nordkorea. Was den Wallisern bis anhin wohl entgangen ist: Im Buch kommt der Raub im Louvre vom 25. Oktober 2025 zur Sprache, denn einen Teil der geraubten Juwelen hat man in Zermatt gefunden. Dies ist eine Nachricht, die ich erstmals in meinem Buch verbreite, denn bis dato hatte davon noch niemand Kenntnis.
Aha, da kommt also auch noch eine ganz besondere Art von Aktualität zur Sprache in deinem Buch «David gegen Goliath». Peter, wir wünschen dir Erfolg mit deinem Buch.
Ich danke auch. Und es sei nochmals festgehalten: Es braucht beim Lesen meines Buches Humor und Sinn für Satire.

Text, Bild und Radiosendung: Kurt Schnidrig