
Der Sommer ist die Zeit, in der man den Alltag für ein paar Tage oder Wochen vergessen darf, häufig steht ein Tapetenwechsel an oder man versucht, das Leben wieder ins Gleichgewicht zu bringen.
Im Sommer ist deshalb nicht selten sogenannte Aussteigerliteratur angesagt. Gemeint sind damit Bücher, die uns auf andere Gedanken bringen und die zeigen, wie das Leben doch auch noch sein könnte, ausserhalb und weit weg von Arbeitsplatz und Büro.
Unsere Empfehlung: „25 letzte Sommer“, ein Roman, verfasst von einem Top-Manager, der die Nase voll hat von seinem Job, und der wieder anfangen möchte „Leben in sein Leben zu lassen“ wie er sich ausdrückt.
Dem Autor Stephan Schäfer ist es ergangen wie es wohl vielen von uns auch ergeht. Alle kennen wir Klagen wie „Jetzt wird mir alles ein wenig zu viel“ oder „Nun bin ich reif für die Insel“. Allen seinen klagenden Leserinnen und Lesern empfiehlt der Autor einen Sprung ins kalte Wasser. Sowas tönt erfrischend in diesen heissen Tagen. Gemeint allerdings ist damit auch ein Neuanfang.
Im Roman „25 letzte Sommer“ springt der Ich-Erzähler tatsächlich fürs erste schon mal in ein kaltes Wasser, buchstäblich, und als er wieder auftaucht, steht da am Ufer ein Fremder, der ihn zu einer Tasse Kaffee einlädt. Karl heisst der Fremde, und Karl ist ein Kartoffelbauer.
Zusammen verbringen Ich-Erzähler und Kartoffelbauer einen Tag auf dem Kartoffelacker und anschliessend sitzen sie beim Nachtessen einträchtig zusammen. Am Ende des Tages stellen beide ganz entspannt fest, dass ihnen noch mindestens 25 letzte Sommer bleiben.
25 letzte Sommer – das mag sich nun etwas melancholisch und traurig anhören. Allerdings könnte man sich dabei auch Fragen stellen wie: Wie möchte ich die 25 Sommer verbringen, die mir jetzt noch bleiben? Bin ich auf dem richtigen Weg?
Den für ihn richtigen Weg hatte der Ich-Erzähler bis anhin lediglich am Laptop, am Smartphone oder am Computer gesucht, immer geplagt von Stress und Hektik. Wie aber geht es eigentlich Menschen, die immerzu mit einer To-Do-Liste durchs Leben rennen? Und wie entkommt man dem damit verbundenen Stress und der Hektik des Alltags? Und wie findet man schlussendlich den Weg zurück zu den Mitmenschen?
Im Roman „25 letzte Sommer“ ist es eine Beziehung zu einem anderen Menschen, die in einem dieser letzten 25 Sommer beginnt. Der Ich-Erzähler freundet sich mit einem hilfreichen Kollegen, mit Karl, an. Mit ihm zusammen findet er auch zurück in ein Leben in der Natur. In nur 48 Stunden schliessen sie Freundschaft, machen einen Waldspaziergang und starten in neues Leben.
Der Roman „25 letzte Sommer“ von Stephan Schäfer macht Mut, wieder Leben ins eigene Leben zu lassen. Oder wie es Autor Schäfer selbst formuliert: „Ich glaube, wenn man wieder merkt, dass diese Wand zwischen einem selber und der Welt langsam verschwindet und man berührbar ist für all diese schönen Dinge – wer würde für sich unterschreiben, dass er das nicht haben möchte?“
Text, Bild und Radiosendung: Kurt Schnidrig