
Der neue Roman von Spycher-Preisträger Thomas Hettche heisst „Liebe“. Es gibt sie in vielen Facetten und in vielen Variationen, die Liebe. Vor allem die Liebe im Alter gestaltet sich anders als die Liebe zwischen jungen Menschen. Aber ist dem wirklich so? Oder kennt die Liebe keine Altersgrenzen?
Auf einem Sommerfest an der Ostsee treffen sich Max und Anna. Sie verlieben sich und können kaum mehr voneinander lassen. Beide sind sie nicht mehr ganz jung und können sich nicht freimachen von bisherigen Bindungen und Beziehungen. Und so zeigt sich: Die Liebe kann Kummer und Schmerzen bereiten, aber trotzdem ist sie ein Wunder. Davon erzählt Thomas Hettche meisterhaft.
„Doch dann hielten sie sich im Arm und Max‘ Herz schlug so sehr, dass er sich fürchtete. Wie Anna zitterte, während sie sich küssten!“ („Liebe“, Seite 56)
Max ist 63 und nach diversen gescheiterten Beziehungen nun alleinstehend und zweifacher Vater. Anna ist in etwa gleich alt, sie ist kinderlos, aber bereits verheiratet. Ihre Ehe ist sie nicht bereit aufzugeben. Die neu entflammte Liebe zu Max ist denn doch zu brennend, zu verlangend, und so können die Beiden nicht voneinander lassen.
Im Alter allerdings haben das Verlieben und das Lieben ihre Tücken. Dies vor allem deshalb, weil in den vergangenen Jahren sich doch vieles eingestellt und angebahnt hat, was man nicht mehr so einfach aufgeben oder gar rückgängig machen kann.
Trotzdem aber bleibt die Liebe auch im Alter das, was sie so zauberhaft macht: Ein Wunder. Immer wieder finden die Liebenden von neuem Mittel und Wege, um sich dem Wunder, dem Zauber und der Faszination der Liebe hinzugeben.
Im Roman „Liebe“ ist es die digitale Kommunikation, die das Feuer der Liebe immer wieder neu entfacht. Max und Anna schreiben sich Nachrichten, welche die Sehnsucht und das Verlangen nach Wiedersehen und nach Vereinigung immer wieder aufs Neue befeuern.
„Wir finden bestimmt einen Weg. Dass wir uns verliebt haben, ist etwas Kostbares. Es ist sehr traurig, dass wir es nicht wirklich leben können. Aber es ist auch in vielerlei Hinsicht einfach nur wunderschön.“ („Liebe“, Seite 69)

Autor Thomas Hettche schreibt über die Liebe mit all ihren Facetten. Liebe ist ein Phänomen, Liebe ist ein Geheimnis, Liebe ist zauberhaft, aber letztendlich immer unfassbar und auch kaum zu beschreiben. Immer sind auch Sachzwänge mit dabei und es schwingt eine Spur von Verzweiflung mit, so dass die Liebe eines der grössten menschlichen Mysterien bleibt.
Text, Bild und Radiosendung: Kurt Schnidrig