Ein Weltbestseller über die heilende Kraft von Büchern: „Frau Komachi empfiehlt ein Buch“

Die heilende Kraft von Büchern thematisieren zurzeit Weltbestseller-Romane aus Japan (Symbolbild: Kurt Schnidrig)

In der Literatur dominiert zurzeit der Trend zur Wohlfühllektüre. In Zeiten von Katastrophen und von einer allgmeinen Destabilisierung sind Bücher gefragt, die Heilung und Trost versprechen. Ratgeberliteratur also.

Die wohl angesagtesten und besten Ratgeberbücher kommen aus Japan, sie sind bei uns selbstverständlich in deutscher Übersetzung erhältlich. Eine der führenden japanischen Autorinnen heisst Aoyama. Von ihr stammt der Weltbestseller „Frau Komachi empfiehlt ein Buch“. Es handelt sich dabei um einen Roman, der gleichzeitig jedoch auch noch als Ratgeberbuch funktioniert.

Die Autorin übernimmt für ihr Buch das bewährte Fallstudien-Schema, das in der Unterhaltungs-Branche höchst beliebt ist. Die Autorin stellt in fünf Kapiteln fünf Personen vor. Gemeinsam ist diesen fünf Personen, dass alle mit ihrer aktuellen Lebenssituation unzufrieden sind. Sie suchen nach Wegen und nach Alternativen für eine bessere Zukunft, in der sie ihre eigenen Talente, Wünsche und Träume besser umsetzen können.

Im Roman „Frau Komachi empfiehlt ein Buch“ wird von fünf Personen berichtet, die eine Beratung von Frau Komachi, einer Bibliothekarin, in Anspruch nehmen. Frau Komachi ist eine wahre „Bücher-Magierin“, eine, die intuitiv versteht, was ihren jeweiligen Klienten fehlt. Ihren Klienten gibt Frau Komachi jeweils eine Lektüreliste mit und dazu eine kleine Figur aus Filz. Je nachdem, was dem Klienten oder der Klientin fehlt, kann es sich dabei um ein Flugzeug handeln, um ein Haustier, um eine Bratpfanne oder was auch immer.

Was aber hat es mit der Literaturliste und mit der Filzfigur auf sich? Der Sinn besteht darin, dass man mit Hilfe dieser Utensilien den Alltagstrott verlassen, die Initiative ergreifen und etwas Neues wagen soll. Die Bücher auf der Literaturliste regen die Phantasie an, so dass die fünf unglücklichen Klienten wieder schöpferisch tätig sein können. Die kleinen Filzfigürchen sollen dazu frische Ideen freisetzen.

Ein Beispiel gefällig? Da ist zum Beispiel die Verkäuferin Tomoka. Sie ist frustriert von ihrem eintönigen Alltag. Mit Hilfe der Literaturliste entdeckt sie das Kochen für sich. Als Ideengeber hat ihr Frau Komachi eine Bratpfanne in Form einer Filzfigur mitgegeben. Tomoka begreift, dass man im Leben immer wieder nach neuen Ufern aufbrechen muss.

Auch Natsumi ist eine Figur im Roman, die auf Selbstbestätigung angewiesen ist. Natsumi ist Ehefrau und Mutter, sie möchte aber daneben auch noch in der Redaktion eines Buchverlags arbeiten. Ihr fehlt zu Hause die geistige Betätigung. Aus den Büchern, die auf Frau Komachis Literaturliste stehen, lernt sie, dass sie sich zuerst einmal von ihrer Opferrolle verabschieden muss. Wie kann man gleichzeitig Mutter sein und daneben auch noch in der Buchproduktion arbeiten? Die Lösung: Natsumi wendet sich dem Kinderbuch-Metier zu. Da bringt sie alles unter einem gemeinsamen Dach unter: Schreiben, Lesen, Erzählen und Produzieren.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Wichtig ist die Einsicht, dass besonders unerwartete Wendungen im eigenen Leben auch Positives mit sich bringen können. Erfüllung und Selbstakzeptanz zum Beispiel. Das Zusammentreffen mit Menschen und mit Büchern generiert zudem frische Impulse, bis dass dann endlich klar wird, was man im Leben eigentlich erreichen will.

Hören Sie dazu den Podcast aus der Sendung Literaturwelle von Radio Rottu Oberwallis (Quelle: rro / Kurt Schnidrig / Tiziana Imoberdorf / Simon Kalbermatten)