
In ihrem neuen Buch hat sich Conny Giammeresi vorgenommen, das Leben mit all seinen Facetten zu präsentieren. Die Autorin erzählt von Tod, Sex, von tiefsten menschlichen Abgründen, von Verlust, Missbrauch, vor allem aber auch von der Liebe zu sich selbst und zu jenen, mit denen man seit jeher verbunden ist. „Du wirst schmunzeln, schockiert sein, nachdenklich reflektieren und vor allem eines: lachen“, verspricht die Autorin.
Was geschieht, wenn zwei geschundene Seelen aufeinandertreffen und das Leben mit all seinen Höhen und Tiefen auskosten möchten? Soeen, 39, ist Bestatterin, Schriftstellerin, Medium und Witwe. Aya, 32, ist ein Mathegenie, Musiker, Asperger. Soeen und Aya, zwei Menschen, die das Leben und den Tod ganz unterschiedlich kennen. Lachen, weinen, lieben mit Soeen und Aya.
Conny Giammaresi, Autorin, Künstlerin, Medium, lockt ihr Publikum mit Textstellen aus ihrem Buch wie etwa: „Seine Berührungen sind Elektrizität in meinem Innern“ oder sie bringt ihr Publikum zum Lachen mit Aussagen wie „Ein Kuss ist geiler als Sex.“ Ihr Buch verlangt nach einem Publikum, das bereit ist, sich auf derartige Lektüren einzulassen. Tatsache ist, dass Conny die Buchhandlungen bis auf den letzten Platz füllt, dass ihre Lesungen bereits Wochen vor ihrem Auftritt ausgebucht sind. Warum das so ist? Anlässlich ihrer Lesung in der Buchhandlung ZAP in Brig haben wir die Autorin zum Interview gebeten.

Kurt Schnidrig: Conny, deine Lesung ist bereits seit Wochen ausgebucht. Wie erklärst du dir das grosse Interesse?
Conny Giammaresi: Ich denke, dass man mich hier im Oberwallis gut kennt. Und dazu kommt: Es gibt nur zwei Lager, entweder man hasst mich oder man liebt mich, dies nur schon aufgrund meines Jobs als Medium. Ich durfte in den vergangenen Jahren immer auf viele tolle, treue Menschen zählen.
Sprechen wir über dein neues Buch „Soeen & Aya“. Die Protagonistin Soeen ist 39-jährig, sie ist Bestatterin, Schriftstellerin, Medium, Witwe. Der Protagonist Aya ist 32-jährig, Mathematik-Genie, Musiker, Asperger. Beide haben ein Problem, denn du bezeichnest sie als „geschundene Seelen“. Wie fällt deine Erklärung dazu aus?
Beide hatten ein Leben, das nicht einfach war, beide hatten viele Schicksalsschläge zu erleiden. Soeen hat ihren Mann vor fünf Jahren verloren, er hat an Magenkrebs gelitten. Aya hat seine über alles geliebte Mutter sehr früh verloren. Ayas Vater war ein „Arschloch“ (entschuldigt sich), denn er hatte seinen Sohn Aya und dessen Schwester schlecht behandelt. Beide, sowohl Soeen wie auch Aya, haben innerhalb ihrer Beziehungen auch Missbrauch erleben müssen. Beide suchen die grosse Liebe, fürchten sich aber davor, sich auf etwas Neues einzulassen.
Dein Buch behandelt grosse Themen: Tod, tiefste menschliche Abgründe, Verlust, Missbrauch, Sex, Liebe – wahrlich ein riesiges Themen-Spektrum. Wie lassen sich alle diese Themen in ein Buch von fast 500 Seiten verpacken?
Dazu muss ich sagen: Normalerweise schreibe ich nur über Mord und Totschlag. Ich hätte mir niemals eine Liebesgeschichte mit Science-Fiction zugetraut. Das ist auch nicht ein Stoff, den ich lese. Die Geschichte von Soeen & Aya kam einfach aus mir heraus. Ein Teil der Geschichte hat wohl auch mit meiner eigenen Vergangenheit zu tun, besonders der sexuelle Missbrauch innerhalb einer Beziehung. In meinem Buch haben viele Themen Eingang gefunden, die mich selbst in meinem Leben beschäftigt haben, dazu gehören Tod, Missbrauch, Sexualität. Ich beschäftige mich sehr gerne mit Orgasmus-Schwierigkeiten von Frauen, das ist für mich ein wichtiges Thema, zu dem ich auch Weiterbildungen gemacht habe. Mein Buch erzählt vom Leben mit all seinen Höhen und Tiefen.
Was erwartest du von deinen Leserinnen und Lesern, von deinen Zuhörerinnen und Zuhörern? Was sind das für Gefühle, die du ansprechen und auslösen möchtest?
Ich denke, dass man beim Lesen meines Buches extrem viel lachen kann. Mein Protagonist Aya ist ein grosser Sarkast. Ich empfehle aber meinem Publikum auch ein Päckchen Taschentücher mitzunehmen, denn bestimmt wird man beim Lesen oder Zuhören auch Tränen vergiessen. Gerade beim Vorlesen sind aber auch meine persönlichen Emotionen ein Problem. Ich kämpfe bereits vor meinen Auftritten mit den Tränen, denn ich habe das Buch meinen vier besten Freundinnen gewidmet. Die Widmung werde ich meinem Publikum vorlesen, da werde ich emotional gefordert sein. Es freut mich auf jeden Fall, wenn meine Leserinnen und Leser dazu bereit sind, sich auf meine Geschichten einzulassen.
Das vielleicht grösste und schwierigste Thema in deinem Buch ist die Liebe. Was verstehst du unter „Liebe“? Braucht es Mut zur Liebe?
Ja definitiv. Gerade in unserer heutigen Gesellschaft braucht es Mut, über längere Zeit eine Beziehung zu pflegen. Wir sind es heute gewohnt, immer auch noch ein Hintertürchen offen zu lassen oder zu denken: Wenn es bei diesem Partner nicht klappt, dann gibt es bestimmt noch Tausende andere. Wir werfen heute die Flinte allzu schnell ins Korn. Ich bin eine romantische, altbackene Frau, ich glaube an die grosse Liebe. Die grosse Liebe bedeutet für mich aber nicht immer nur eitel Sonnenschein. Liebe bedeutet, dass man auch in schwierigen Zeiten zusammenbleibt und füreinander da ist. Allerdings nicht „auf Biegen und Brechen“, das finde ich auch nicht gut. Persönlich bin ich mit meinem Mann bereits 23 Jahre zusammen und darauf bin ich stolz.
Man kennt dich vor allem auch als Medium, das Kontakte zur „anderen“ Welt hat. Spielt dein Buch auch zuweilen in Anderswelten?
Nur kurz. Mir war es diesmal nicht wichtig, dieses Thema nochmals breit zu behandeln, denn dieses Thema gibt es in meinem Leben nun schon so lange. Ich glaube auch, dass viele Menschen meine Geschichten zu diesem Thema ganz einfach nicht mehr hören wollen. Aber immerhin gibt es in meinem Buch einen Vortrag von Soeen über Spiritualität. Aya stellt mit Schrecken fest, dass Soeen das Highlight eines Abends ist. Aya hatte sich bis dahin noch kaum mit Spiritualität auseinandergesetzt. Manchmal erwähnt Soyeen auch, dass sie eine Verstorbene wahrnimmt. Mein neues Buch ist jedoch auf einer ganz anderen Ebene spirituell.

„Soeen & Aya“ – weshalb sollte man das Buch gelesen haben? Was ist deine Botschaft?
Ich bin eine „grottenschlechte“ Geschäftsfrau. Ich freue mich ganz einfach, wenn mein Buch gelesen wird. Jede und jeder wird sich darin wiedererkennen, ob Mann oder Frau. Mein Buch behandelt Themen, auch Schattenthemen, die uns alle berühren und betreffen. Es sind Themen innerhalb einer Beziehung, aber auch Themen, die uns ganz persönlich betreffen wie Tod, Sexualität und die neusten Entwicklungen der heutigen Zeit.
Herzlichen Dank, Conny, für dieses Gespräch.

Text Bilder und Radiosendung: Kurt Schnidrig