Christine Bonvin:  «Vorkommnisse im Vorfeld der Ski-WM 2027 in Crans-Montana haben mich zu einem Krimi inspiriert»

Krimi-Autorin Christine Bonvin mit ihrem neuen Roman „Brand im Alpenland“ in der ZAP Visp (Bild: Kurt Schnidrig)

Seit geraumer Zeit laufen die Vorbereitungen für die Alpinen Skiweltmeisterschaften 2027 in Crans-Montana auf Hochtouren. Die Bewohnerinnen und Bewohner und die Organisierenden fiebern dem Anlass entgegen, unter ihnen auch Krimi-Autorin Christine Bonvin, die in Crans-Montana wohnt. Was bei einem derartigen Grossanlass so alles passieren könnte – ein Steilpass für eine gewitzte Krimi-Autorin.

Was, wenn zum Beispiel ein Gegner des Sportevents beim Brand seines Hotels zu Tode kommen würde? Wenn er sogar verkohlt und an sein Bett angekettet aufgefunden würde? Etliche Personen kämen dann unter dringenden Tatverdacht, unter anderem auch Hotelfachfrau Laura Pfeiffer, die kurz vor dem Brand einen handgreiflichen Streit mit dem Todesopfer hatte.

Laura Pfeiffer? Natürlich, die Protagonistin kennen wir bereits aus der Krimi-Reihe «Matterzorn» und «Letzter Ton in Montreux». Um sich reinzuwaschen, fahndet sie heimlich nach dem Mörder. Dabei begibt sie sich aufs Glatteis und gefährdet auch ihre Beziehung.

Krimi-Autorin Christine Bonvin stellte sich nach der Lesung aus dem Krimi „Brand im Alpenland“ unseren Fragen (Bild: Kurt Schnidrig)

Kurt Schnidrig: „Brand im Alpenland“ – so heisst der neuste Krimi mit der nun schon bekannten Protagonistin Laura Pfeiffer. Es handelt sich um den dritten Krimi in dieser Serie. Viele Ihrer Krimis spielen im Wallis. Ist das Wallis eine stimmige Szenerie für Krimis?

Christine Bonvin: Selbstverständlich. Ich würde mich nicht getrauen, etwas anderes zu sagen. Ich bin tatsächlich gerne im Wallis. Zwar spreche ich nicht Walliserdeutsch, aber ich wohne in Siders.

Ihr neuster Krimi spielt in Crans-Montana. Ich gehe davon aus, dass es dafür gute Gründe gibt?

Ich wohne in der Gemeinde Crans-Montana. Die Gemeinde organisiert die Ski-WM im Jahr 2027. Ich habe in der Zeitung gelesen, was da so alles ablaufen wird. Das hat mich zum Schreiben des Krimis „Brand im Alpenland“ inspiriert. Infolgedessen hat nun meine Protagonistin Laura den Arbeitsort wechseln müssen.

An Ihrer Lesung durften wir von Ihnen erfahren, wie viel Sie zum Thema Ski-WM 2027 recherchiert haben. Wie dürfen wir uns die Recherche-Arbeiten einer Krimi-Autorin vorstellen? Recherchieren Sie bereits nach potenziellen Mordfällen? Oder recherchieren Sie eher im administrativen Bereich?

Dazu kann ich sagen: Zu Mordfällen habe ich auch schon recherchiert, zum Beispiel für meinen früheren Krimi „Matterzorn“. Dabei handelt es sich um einen Mordfall in der Badewanne. Der Mordfall in meinem Krimi war angelehnt an eine wahre Begebenheit. In der Regel recherchiere ich jedoch keine Mordfälle, sondern eher Tatsachen rund um das Ereignis, im vorliegenden Fall um die Organisation der Ski-WM. Ich recherchiere zum Beispiel auch das Sicherheits-Konzept eines Hotels im Falle eines Brandes. Oder ich stelle Recherchen an über das Organigramm der Polizei in Sion, deren Aufbau und Struktur.

Die Ski-WM in Montana findet erst 2027 statt, also erst in zwei Jahren. Ihr Roman erscheint aber jetzt schon. Wissen Sie mehr über dieses Ereignis als die Organisatoren? Wie erklären Sie das frühzeitige Erscheinen Ihres diesbezüglichen Krimis?

Ich habe keine Glaskugel und weiss auch nicht mehr als die Organisatoren, eher sogar weniger. Bereits im Vorfeld der Ski-WM von 2027 ist mir aber Vieles zu Ohren gekommen, was sich spannend anhört. Beispielsweise hatten die regionalen Organisatoren grosse Probleme mit dem Internationalen Skiverband. Es hat extrem lange gedauert, bis die Verträge unterzeichnet waren und bis die Organisatoren vor Ort wussten, was alles sie zu organisieren haben. All dies lässt sich nicht an einem einzigen Tag bewerkstelligen. Dazu kommt, dass ich selber gerne organisiere. Ich bin ganz einfach fasziniert vom Aufbau und von der Organisation.

Sprechen wir noch etwas eingehender über Ihr neues Buch „Brand im Alpenland“ mit der Protagonistin Laura Pfeiffer. Ihre Protagonistin soll „gwundrig“ sein, jedoch nicht „wunderfitzig“ – wie wir anlässlich Ihrer Lesung in der ZAP Visp erfahren durften. Bitte erklären Sie uns den Unterschied?

„Wunderfitzig“ ist jemand, der immer hinter dem Vorhang hervorblickt um herauszufinden, was der Nachbar tut. So ist aber Laura, meine Protagonistin, nicht. Laura ist neugierig im Sinne von „interessiert“. Laura möchte etwas herausbekommen, aber niemals auf Kosten anderer, sondern zugunsten von jemandem. Das ist ein grosser Unterschied.

Laura ist eine Ermittlerin „von Gottes Gnaden“, also nicht unbedingt ausgebildet. Ist dies der Grund, dass Laura oftmals recht ungeschickt ermittelt, indem sie sich schlussendlich auch noch in persönliche Schwierigkeiten hineinmanövriert. Gehört sowas auch zum Konzept Ihrer neuen Romanreihe?

Auf jeden Fall. Es stimmt, dass Laura manchmal etwas unüberlegt zur Sache geht. Sie handelt zuweilen, bevor sie alles durchgedacht hat. Wissen Sie, irgendwie muss ich als Krimi-Autorin ja auch Spannung aufbauen.

„Spannung aufbauen“ – momentan liegt der dritte Band aus dieser Serie vor. Wie viele Bände sind noch geplant?

Im Moment stockt die Buchproduktion in meinem Verlag. Die Programmleitung hat gewechselt. Die langjährige Programmleiterin hat sich im Frühling verabschiedet, aus diesem Grund hat sie keine neuen Aufträge mehr entgegengenommen. Persönlich bin ich mir auch nicht so sicher, ob ich mit der Protagonistin Laura weiterfahren will. In meinem Kopf spuken auch noch andere interessante Buchprojekte herum. Grundsätzlich könnte man es mit den drei bereits erschienenen Büchern dieser Serie belassen.

Ihre Aussage kommt einer Aufforderung an Ihre Leserschaft gleich, jetzt schon mal den dritten Band aus der Reihe mit Laura Pfeiffer zu lesen. Im Falle vieler positiver Rückmeldungen könnten Sie sich demnach vielleicht auch noch einen vierten Band mit Protagonistin Laura Pfeiffer vorstellen? Vielen herzlichen Dank für Ihre Ausführungen zu Ihrem neuen Kriminalroman „Brand im Alpenland“.

„Brand im Alpenland“ ist im Gmeiner Verlag erschienen.
Hören Sie dazu den Podcast aus der Sendung Literaturwelle von Radio Rottu Oberwallis (Quelle: rro / Kurt Schnidrig / Daniel Theler)

Text, Bilder und Radiosendung: Kurt Schnidrig