
Vor rund einem halben Jahrhundert gehörte der Schmuggel an der Schweizer Südgrenze zu Italien zum Alltag. Die Schmuggler transportierten ihre Waren auf verborgenen Wegen von der Schweiz nach Italien und umgekehrt. Viele spannende Geschichten über die Schmugglerei sind entstanden. Dazu lassen sich auch geschichtsträchtige Wanderungen unternehmen auf den Spuren der Schmuggler.
Über die Grenze geschmuggelt wurden vorab Waren, die damals noch als Luxusgüter galten, wie zum Beispiel Kaffee, Zucker, Reis, Wein und Zigaretten. Die Schmugglerei war ein verbotenes Geschäft. Nicht selten wurden die Schmuggler verfolgt und bestraft. Und hin und wieder hatte ein Grenzwächter auf der Verfolgungsjagd sein Leben verloren.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in der Schweiz der Schmuggel legalisiert und fiel unter den Begriff „Export II“. In Italien hingegen blieb der Schmuggel weiterhin verboten. Das Schmuggeln geriet zu einem einträglichen Geschäft zwischen der Schweiz und Italien. Dies vor allem deshalb, weil nicht die gleichen Preise für dieselbe Ware gegolten hatten.
Insbesondere der Schmuggel zwischen Binn und Ossola warf hohe Renditen ab. Dies allerdings nur, wenn die Schmuggler es schafften, die begehrte Ware am Zoll vorbei zu schmuggeln. Die Schmuggler allerdings waren findige Leute. Der Weinhändler Antonio Minoia beispielsweise liess bereits im 17. Jahrhundert eigens einen Pfad vom Pomatt über den Albrunpass bauen. Auf diesem Pfad konnten die Schmuggler ihre Waren auf Maultieren über die Grenze transportieren.
Um 1900 hatten italienische Schmuggler in Binn sogar Depots mit Kaffee und Zucker angelegt. Von Binn aus trugen sie die Waren hinüber nach Italien. Der illegale Verkehr über die verschiedenen Binner Pässe soll so ausufernd gewesen sein, dass die Bundesbehörden in den 1930er-Jahren sich genötigt sahen, in Binn ein Zollhaus zu errichten.
Während des Zweiten Weltkriegs war die Grenze zwischen der Schweiz und Italien zwar offiziell geschlossen, aber immer wieder hatten die Träger, die sogenannten „Spalloni“, vor allem Reis und andere begehrte Güter auf Schmugglerpfaden von Italien in die Schweiz transportiert. Andererseits hatte die Schweiz den Schmuggel von Zigaretten nach Italien gefördert. Die Gesetzeshüter versuchten den Schmuggel zu unterbinden. Im hinteren Binntal wurde sogar ein Grenzwächter erschossen.

Geschichten und Tipps für rund 40 ausgewählte Wanderungen auf den Spuren der Schmuggler finden sich aktuell im Wanderbuch „Schmuggellandschaften – Wege und Geschichten an der Schweizer Südgrenze“, herausgegeben von Dominik Siegrist und Franz Ebener. Zu den Wanderungen und Schmugglerwegen werden jeweils passende Geschichten erzählt. Auf diese Weise wird beim Wandern die Sozialgeschichte der Schmugglerei als längst vergessene Form der Bergwirtschaft im Gelände erlebbar.
Text, Bild und Radiosendung: Kurt Schnidrig