Der frühere Briger Kollegiumslehrer François Meichtry veröffentlicht ein Buch mit Kurztexten

In seinem Buch „Die Zauderin“ versammelt François Meichtry kurze Texte, er nennt sie Miniaturen. (Bild: zvg)

François Meichtry aus Guttet-Feschel ist bei ehemaligen Studierenden des Kollegiums Spiritus Sanctus in Brig bestimmt noch als Französischlehrer bekannt. Heute lebt er in Binnigen bei Basel. In seinem neusten Buch „Die Zauderin“ versammelt er kurze Texte, er nennt sie „Miniaturen“.

In seinen Texten blickt François Meichtry zurück auf Ereignisse in seinem Leben. In der Textsammlung finden sich aber auch Beobachtungen und Erlebnisse. Die Texte zeichnen sich aus durch viel Tiefsinniges, einige sind angereichert mit philosophischem Gedankengut.

„Die Zauderin“ – diesen Titel hat der Autor gewählt aufgrund eines Erlebnisses. Da sass er eines Tages in Basel auf einem Bänklein. Eine junge Frau kam vorbei, blieb stehen, blickte zurück und „zauderte“. Zitat: „Sie zaudert. Dann fasst sie allen Mut zusammen, nimmt Platz an meiner Seite und fragt mich ungeniert, ob ich eine Putzfrau brauche. Jemand habe ihr einen Job versprochen, aber sich nicht an das Versprechen gehalten. Die Menschen sind böse“, sagt sie. Im weiteren Gespräch erfährt dann der Autor, dass die Frau aus Bosnien kommt und Arbeit braucht, weil sie ihre Miete nicht mehr bezahlen kann. Und der Autor beendet die Geschichte mit dem Satz: „Als Trost will ich ihr einen Batzen geben, sie lehnt jedoch dankend ab.“

François Meichtry ist ein guter Beobachter, insbesondere die Natur liegt ihm am Herzen. Die Jahreszeiten liefern ihm Inspirationen. Vor allem ist es die Melancholie des Herbstes, die für eine nachdenkliche Stimmung in seinen Texten sorgt. Der Dichter trauert den sonnigen Sommertagen nach und die Gedanken an das Vergehen aller Dinge raubt ihm die Sprache.

„Sprachlos“ ist denn auch der Titel eines poetischen Textes über das Vergehen. Zitat: „Ich schau morgens zum Fenster hinaus in den herbstlichen Garten. Meine Liebe ist entschwunden. Einfach weg. Weg über Nacht. Nun, man kennt das aus den Romanen. Keine Spur mehr. Auf und davon. Der Herbstwind hats geschafft. Die schöne rote Rose hat mich verlassen. Trauer befällt mein Herz. Doch es bleibt eine duftende Erinnerung.“

Aktuelle Texte zur Weltpolitik runden im Buch „Die Zauderin“ das breite Spektrum von François Meichtrys Schreibarbeiten ab. Die Texte berühren, sie schaffen Bilder in unserer Erinnerung. So etwa die Geschichte eines Mädchens aus der Ukraine. In der Schule fertigt das Kind eine Zeichnung an, auf der Mutter und Kind gegen russische Raketen kämpfen. Die Mutter trägt ein gelbes Kleid und blaue Hosen, gekleidet ganz in den Farben der Ukraine. Der Vater des kleinen Mädchens ist im Krieg. Die Zeichnung trägt den Titel: „Papa, dü bisch miine Held“. Eindrücklich und tiefsinnig sind sie, die Miniaturen im Buch „Die Zauderin“ von François Meichtry.

Hören Sie den Podcast aus der Sendung Literaturwelle zu François Meichtry und sein neues Buch „Die Zauderin“ (Quelle: rro / Kurt Schnidrig / Tiziana Imoberdorf / Jonas Vomsattel )

Text, Bild und Radiosendung: Kurt Schnidrig