
Anlässlich der Solothurner Literaturtage wird am 16. Mai der Schweizer Kinder- und Jugendbuchpreis vergeben. Federführend dabei sind das Schweizerische Institut für Kinder- und Jugendmedien SIKJM und der Schweizerische Buchhandels- und Verlags-Verband SBVV.
98 Werke wurden von den Verlagen eingereicht, fünf davon haben es auf die sogenannte «Shortlist» für den Schweizer Kinder- und Jugendbuchpreis geschafft, darunter zwei deutschsprachige Bücher. «Herschel, der Gespensterhund» von Thomas Meyer und «Schlich ein Puma in den Tag» der Autorinnen Lena Raubaum und Verena Pavoni.
Protagonist im Bilderbuch «Herschel der Gespensterhund» ist ein Familienhund namens Herschel. Nun ist Herschel gestorben und die Familie muss sich von ihrem lieben Hund verabschieden. Nach seinem Tod taucht der Hund Herschel immer wieder auf, jetzt als «Gespenst». Voller Energie schwebt das Hunde-Gespenst über der Familie. Die Familien-Mitglieder können das Hunde-Gespenst zwar nicht sehen, aber sie spüren, dass der Hund immer noch da ist.

Im Bilderbuch «Herschel, der Gespensterhund geht es aber um viel mehr als nur um eine Gespenster-Geschichte. Das Buch soll unseren Kindern das Thema «Tod» näher bringen. Wenn man jemanden verloren hat, dann gilt es Abschied zu nehmen, dann soll dieses Bilderbuch Trost und Hoffnung vermitteln.
Nun frage ich mich jedoch, ob ein derartiges Buch einem Kind wirklich hilft, einen Tod zu verarbeiten. Grundsätzlich sollte man ja bei solch schwierigen und emotinalen Themen zuwarten, bis die Kinder selber Fragen stellen. Entsprechend ihres Entwicklungsstadiums und ihrer Reife stellen Kinder meistens von alleine die richtigen Fragen, die es dann zu gegebener Zeit zu beantworten gilt.
Persönlich erscheint mir dieses Bilderbuch sehr anspruchsvoll und wohl vor allem für reife Kinder geeignet. Wenn Eltern oder andere Erziehungspersonen jedoch das Bilderbuch «Herschel, der Gespensterhund» mit den Kindern gemeinsam betrachten, erzählen und erarbeiten, kann dies mit Gewinn geschehen.
Auf der Shortlist für den Schweizer Kinder- und Jugendbuchpreis steht auch der Bildband mit dem poetischen Titel «Schlich ein Puma in den Tag» der Autorinnen Lena Raubaum und Verena Pavoni. Wie kommen Puma, Frosch oder Kugelfisch aufs Papier? Als Lesende können wir mitverfolgen, wie die Tier-Bilder entstehen.

Die Künstlerin Verena Pavoni hat sogenannte Sgraffitto-Kratzbilder und Gedichte hergestellt. Kinder können mitverfolgen, wie die Bilder zustande kommen: Manchmal verschwinden sie, dann tauchen sie wieder auf und parallel dazu finden sich auch poetische Worte. All dies fügt sich schlussendlich zu einem eindrücklichen poetischen Werk zusammen.
Der Bildband ist anspruchsvoll und wohl eher für aufgeweckte und kreative Kinder gedacht. Am Schluss des Buches bekommen die kleinen Leserinnen und Leser die Gelegenheit, selber etwas zu kreieren. An die Kinder ergeht die Aufforderung, ein eigenes Tier in Bild und Text aufs Papier schleichen zu lassen. Sehr kreativ, sehr phantasievoll, sehr anregend: Der Bildband «Schlich ein Puma in den Tag».
Text, Bild und Radiosendung: Kurt Schnidrig