Verleihung des Spycher Literaturpreises Leuk 2026 an den französischen Schriftsteller Mathias Enard

Spycher-Preisträgerin Radka Denemarková (2019) hat kürzlich den jährlich verliehenen Europäischen Toleranzpreis für Demokratie und Menschenrechte der Stadt Villach und des österreichischen PEN-Clubs erhalten. (Bild: Kurt Schnidrig)

Der französische Schriftsteller und Übersetzer Mathias Enard erhält den Spycher Literaturpreis Leuk 2026. Mathias Enard studierte in Paris vor allem die Sprachen Arabisch und Persisch. Längere Zeit hielt er sich in Damaskus und Beirut auf. Heute wohnt er in Barcelona und unterrichtet daselbst an der Universität Arabisch. Im Frühjahr 2020 hatte Enard in Bern eine Gastprofessur für Weltliteratur inne.

Der Spycher Literaturpreis Leuk ermöglicht während drei bis fünf Jahren ein Aufenthaltsrecht und die Benutzung einer Wohnung in Leuk. Zusätzlich richtet die Stiftung ein monatliches Stipendium von 1600 Franken aus.

Schrecken des Krieges

In seinen Werken verarbeitet Mathias Enard literarisch die Schrecken des Krieges. Er beschreibt berührend und erschütternd die Schicksale von Kriegsopfern. Enards Katastrophen-Berichte stilisieren seine Werke zu epochalen Zeugnissen der Antikriegsliteratur.

Seinen Lesenden führt Mathias Enard eindrücklich vor Augen, wie Menschen dem Krieg verfallen. Für sensible Leserinnen und Leser stellt sich die Frage, wie sich das viele Blut und die vielen Toten in den Romanen von Mathias Enard ertragen lassen.

Einen Funken Hoffnung verspricht das Spirituelle, das Enards Werk durchzieht. Der Autor glaubt an die Seelenwanderung, fachsprachlich auch als Reinkarnation bezeichnet. Dabei handelt es sich um den Glauben, dass unsere Seele nach dem Tod in einen anderen Körper übergeht und sich darin neu entwickelt.

Was nach der Lektüre von Enards Werken ebenfalls hoffnungsvoll stimmt, das ist die rettende Kraft der Sprache, welche der Sprachwissenschaftler in seinen Werken immer wieder heraufbeschwört.

Antikriegsliteratur        

Internationale Bekanntheit erlangte Mathias Enard mit dem Roman «Zone», erschienen im Jahr 2008. Der Monolog eines Kriegsveteranen aus dem Jugoslawien-Krieg bildet das Kernstück des Romans «Zone». Der gesamte Roman mit rund 500 Seiten besteht aus einem einzigen Satz.

Ein weiterer Enard-Roman heisst «Boussole», was übersetzt «Kompass» bedeutet. Für «Boussole» ist Mathias Enard im Jahr 2015 mit dem renommierten französischen Literaturpreis, dem «Prix Goncourt», ausgezeichnet worden.

Ein neuerer Roman trägt den Titel «Tanz des Verrats». Ein ostdeutscher Mathematiker verarbeitet darin seinen Aufenthalt im KZ Buchenwald literarisch. In diesem Roman geht der Autor der Frage nach, ob Kriegsdienst-Verweigerung ein Menschenrecht sein sollte.

Im Roman «Der perfekte Schuss» erzählt Mathias Enard aus der Perspektive eines Scharfschützen. Mit diabolischer Lust erschiesst ein junger Heckenschütze alle Menschen, die in sein Blickfeld geraten. Wir erfahren als Lesende eindringlich, wie schnell und einfach Menschen dem Krieg verfallen. Für sensible Leserinnen und Leser sind die Bücher des Autors Mathias Enard jedoch harte und schwerverdauliche Kost.

Radka Denemarkova kommt nach Leuk-Stadt

Spycher-Preisträgerin Radka Denemarková (2019) hat kürzlich den jährlich verliehenen Europäischen Toleranzpreis für Demokratie und Menschenrechte der Stadt Villach und des österreichischen PEN-Clubs erhalten. Wie zu erfahren ist, wird sie kommenden Juli und August in Leuk-Stadt weilen.

Text, Bild und Radiosendung: Kurt Schnidrig