BergBuchBrig: „Die Bergführerin“ – Eine Collage mit Texten von Nicole Niquille, die als erste Frau in der Schweiz das Diplom als Bergführerin erhielt

Bei BergBuchBrig trugen die Schauspielerin Franziska von Fischer und die Autorin Romana Ganzoni eine Collage vor, betitelt mit „Die Bergführerin“ (Bild: Kurt Schnidrig)

Der Bergführer-Beruf ist männlich geprägt wie kaum ein anderer. 97 Prozent Bergführern stehen in der Schweiz gerade mal 3 Prozent Bergführerinnen gegenüber. In Zahlen ausgedrückt: Unter den rund 1500 Bergführern bieten 50 Bergführerinnen ihre Dienste an.

Im Jahr 1984 besuchte mit Nicole Niquille erstmals eine Frau den Aspirantenkurs des Schweizer Bergführerverbands. Sie hatte sich als Mann getarnt angemeldet, weil die Bergführerausbildung zu dieser Zeit lediglich den Männern vorbehalten war. Die Statuten verlangten damals für Bergführeranwärter die Wehrdiensttauglichkeit, eine Vorbedingung, welche Frauen nicht erfüllen konnten, weil sie vom Wehrdienst ausgenommen waren. 1986 bestand Nicole Niquille die Prüfung und durfte als erste Frau das Diplom als Bergführerin entgegennehmen. 

Am Multimediafestival BergBuchBrig liessen sich die Schauspielerin Franziska von Fischer und die Autorin Romana Ganzoni unter anderem auch von der Lebensgeschichte der Pionierin Nicole Niquille inspirieren. Eine Collage, betitelt mit «Die Bergführerin», vereinte bestehende Texte von Nicole Niquille, Annemarie Schwarzenbach, Henriette d’Angeville sowie neuen Texten von Romana Ganzoni. Die Texte boten mannigfache Inspirationen, um sich über die Schönheit der Berge, über Poesie, Trost und weibliche Kraft eigene Gedanken zu machen.

Es ist nachvollziehbar, dass die Vita und die Texte von Nicole Niquille, der ersten Schweizer Bergführerin, das Interesse des Publikums ganz besonders weckten. Nicole Niquille, 1956 in Fribourg geboren, war als Kletterin, Lehrerin, Wirtin und ehemalige Bergführerin vielseitig begabt. 1974 erlitt sie einen Motorradunfall und sitzt seither im Rollstuhl. Sie arbeitet als Autorin und unterstützt ein Spitalprojekt in Nepal.

Im Palmares von Nicole Niquille stechen die Expeditionen zu den Achttausendern des Himalaya hervor. Ihre Himalaya-Expedition startete sie gleich mit dem Aufstieg zum K2, zum schwierigsten Berg, den sie ohne künstlichen Sauerstoff und ohne die Unterstützung von Hochträgern in Angriff nahm. Auf 7400 Metern Höhe sah sie sich jedoch zum Abstieg gezwungen. Die Vortragenden bei BergBuchBrig zitierten ein chinesisches Sprichwort: «Wenn man zehn Schritte gehen muss, sind neun die Hälfte.» Im Jahr 1986 bezwang Nicole Niquille den Mount Everest von der tibetischen Seite her.

Die Texte-Collage „Die Bergführerin“, vorgetragen von Franziska von Fischer und Romana Canzoni, begeisterte das Publikum bei BergBuchBrig. (Bild: Kurt Schnidrig)

Die Collage «Die Bergführerin» vermittelte dem Publikum mannigfache Einsichten und bedenkenswerte Textpassagen. Können Berge bezwungen oder überwunden werden? Kaum. «Man bricht auf, um sich selbst zu überwinden». Wie lässt sich jedoch mit Blick auf die hehre Bergwelt das Zitat «Zuviel Schönheit macht traurig» interpretieren?

„Die Bergführerin“ ist eine Produktion des zeit:fluss Kulturfestes für Sils und das Engadin. Arrangiert von Franziska von Fischer, Romana Ganzoni und Till Löffler.

Text, Bild und Radiosendung: Kurt Schnidrig