Der „Literatur-Hängert“ im Monat August: Mattéo Werlen erzählt in seinem Roman über Dampf, Krieg und Liebe

Den Literatur-Hängert mit Mattéo Werlen können Sie nachhören auf pomona.ch/rro (Bild: rro / Kurt Schnidrig)

«Literatur-Hängert» vom 1. August 2025: Kurt Schnidrig empfängt den jungen Romancier Mattéo Werlen. Am Kollegium Brig hat er bereits mehrmals den Schreibwettbewerb gewonnen. Nach der Matura arbeitet er nun an seinem ersten Roman-Projekt mit dem Titel «Dampf, Krieg und Liebe». Dabei handelt es sich um einen historischen Roman, der im Jahr 1939 in Ostberlin und in Westpolen spielt. Mattéo Werlen ist fasziniert von der Technik, insbesondere auch von Eisenbahnen. Minutiöse Beschreibungen und eine poetische Sprache charakterisieren seinen Schreibstil. 

Kurt Schnidrig: Mattéo Werlen ist ein junger Schreibender, der soeben am Kollegium Brig die Matura bestanden hat. Nun ist er bereits am Schreiben seines ersten Romans. Vielleicht entsteht daraus sogar eine ganze Roman-Reihe. Mattéo Werlen hat im Kollegium Brig seine Spuren hinterlassen. Gleich mehrere Male hat er den Schreibwettbewerb gewonnen. Ein kurzer Rückblick auf den Schreibwettbewerb, Mattéo Werlen?

Mattéo Werlen: Der gemeinsame Nenner meiner Geschichten, die ich für den Schreibwettbewerb geschrieben habe, ist die Leidenschaft. Ich habe immer ein Thema gewählt, das mir gefallen hat. Ich habe mich damit auseinandergesetzt und eine gute Geschichte dazu geschrieben.

Am Kollegium Brig hast du aber doch ein Werk präsentiert, das viel Anerkennung gefunden hat. Kannst du uns mehr über deinen Sigertext erzählen?

In meinem allerersten Siegertext, den ich bereits im zweiten Kollegiumsjahr geschrieben habe, habe ich über das Thema „Eisenbahn“ geschrieben. Damals wurde man erstmals aufmerksam auf mich. Diese Eisenbahngeschichte ist nun auch der Anfang des Romans, den ich beinahe beendet habe. In diesem Text durfte ich meine Leidenschaft fürs Schreiben offenbaren. Dieser Text war somit der Start für alle meine literarischen Tätigkeiten.

Du sprichst von Leidenschaft. Hat es irgendwann ein Feuer gegeben, das deine Leidenschaft entfacht hat? Bist du inmitten von vielen Büchern aufgewachsen? Stand dir in deinem Elternhaus vielleicht eine ganze Bibliothek zur Verfügung? Wie ist deine Leidenschaft zum Schreiben entstanden?

An den Büchern kann es nicht gelegen haben, denn zu Hause hatten wir nicht sonderlich viele davon. In der Primarschule wurden wir „gezwungen“ Bücher aus der Bibliothek mitzubringen, die ich aber nie gelesen habe. In der Primarschule mussten wir aber jede Woche einen Aufsatz schreiben. Das hat meine Kreativität angeregt. Jede Woche versuchte ich, mich im Schreiben der Aufsätze zu übertreffen, indem ich immer verrücktere und krassere Geschichten geschrieben habe.

Was waren das für verrückte Geschichten?

Geblieben ist mir vor allem die Erinnerung an Geschichten, die ohne viele Vorgaben entstanden sind, denn bei diesen Geschichten war die persönliche Kreativität gefragt. Ich erinnere mich beispielsweise an einen Zeitungsartikel, den wir verfassen mussten. Wir mussten darüber schreiben, wie der Finger einer Frau in einem Billettautomaten steckenblieb und was dann passierte.

Beim Erzählen kommt bei dir auch der Humor nicht zu kurz. Ist der Humor ein wichtiges Element, das zu deinem Schreiben passt? Oder würdest du dich eher als ernsthaft bezeichnen?

Ich denke, die Ernsthaftigkeit gilt es beizubehalten. Man kann aber auch ernsthaft über Lustiges schreiben. Ich denke, dass der Humor immer auch dazu gehört. Ansonsten lässt sich ein Leben in unserer heutigen Welt nicht bewältigen. Der Humor sollte aber nicht das Wichtigste bei einer Geschichte sein.

In den Rezensionen zu deinen Werken steht, dass die Detailbeschreibung ein wesentliches Merkmal deines Schreibens sei. Du würdest aber auch über eine poetische Ader verfügen. Was ist wichtiger?

Detailbeschreibung und poetische Ader gehören zusammen. Wer ausschmücken und weitergehen will als das, was man lediglich sieht, der ist auf die Poesie angewiesen. Trotzdem ist die Beschreibung von Details ebenso wichtig. Mit der Poesie bringen wir auch die Emotionen mit hinein.

Mattéo, nun bist du am Schreiben deines ersten Romans. Wie ist die Idee entstanden? Warum nach den eher kurzen Geschichten jetzt ein Roman?

Die Idee, nun auch einen Roman zu schreiben, ist nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt entstanden. Ich wollte ursprünglich eine Kurzgeschichte schreiben. Irgendwann einmal wurde diese Kurzgeschichte dann so lange, dass ich daraus einen Roman machen musste.

„Dampf, Krieg und Liebe“ – dies der Arbeitstitel deines Romans. Zuviel wollen wir nicht verraten, aber ein klein wenig neugierig machen auf deinen Roman?

Der Roman spielt in Deutschland im Jahr 1939. Protagonist ist der Fahrer einer Dampflokomotive. Er muss einen Kohle-Zug nach Danzig in Polen fahren. Auf dem Weg dorthin hat er sich zahlreichen Herausforderungen zu stellen, die den Glauben an ein glückliches Ende schwinden lassen. Immerhin flackert etwas Hoffnung in der Liebe auf. Wie lässt sich aber die Liebe leben inmitten eines Schlachtfeldes? Darüber berichte ich im Roman.

Der Titel assoziiert das Gegensätzliche. Dampf, Krieg und Liebe sind Kontraste. Wie kommst du als junger Mensch, der den Krieg nicht miterlebt hat, auf dieses Thema? Hattest du gute Geschichtslehrer?

Ja natürlich hatte ich gleich mehrere gute Geschichtslehrer am Kollegium. Ich denke, es gibt wenige Themen, die derart emotional konnotiert sind wie der Krieg. Der Krieg kann zerstörerisch wirken, im Nachhinein aber auch aufbauend sein.

Das Schreiben eines Romans erfordert andere Voraussetzungen als beispielsweise das Schreiben von Kurzgeschichten oder Erzählungen. Wie teilst du dir das Schreiben ein?

Ich gehe nicht planend vor. Vielfach schreibe ich ganz einfach drauflos. Ich muss dann darauf achten, dass alles stimmig ist und dass die Geschichte einen Anfang und ein Ende bekommt.

Hast du Vorbilder oder Idole, denen du beim Schreiben nacheiferst? Eine Leitfigur? Oder entstammt alles deiner eigenen Phantasie?

Es gibt niemanden, der etwas Ähnliches wie ich bereits geschrieben hat. Als mein Idol möchte ich Michael Crichton erwähnen. Er hat „Jurassic Park“ geschrieben. Ich habe ein Herz für Paläonthologie. Michael Crichton hat das Dinosaurier-Thema in eine Romanstory verarbeitet. Crichton hat ein nicht-öffentliches Thema in die Öffentlichkeit transportiert. Das hat fasziniert. Etwas Ähnliches möchte ich nun mit dem Eisenbahn-Thema schaffen.

Wie sieht es mit deiner Zukunft aus? Fokussierst du dich weiterhin auf das Schreiben?

Ein Leben ohne das Schreiben kann ich mir nicht vorstellen. Ich muss ganz einfach weiterschreiben. Emotionen, Gefühle und Erlebnisse habe ich zur Genüge in meinem Kopf und auch in meinem Herzen.

Mattéo Werlen, wir alle sind gespannt auf deinen ersten Roman.

Hören Sie dazu den Podcast aus der Sendung Literaturwelle. (Quelle rro / Kurt Schnidrig)

Den Literatur-Hängert können Sie jederzeit nachhören auf pomona.ch/rro

Text, Bild und Radiosendung: Kurt Schnidrig