
Als Bestandteil des Multimediafestivals BergBuchBrig gibt es jeweils auch eine Fotoausstellung zu bestaunen. Die Tirolerin Irmtraud Hubatschek fotografiert in den unterschiedlichsten Gebirgsregionen der Welt. Im Zeughaus Kultur, in der Schmitta, präsentiert BergBuchBrig eine Sonderausstellung mit historischen Aufnahmen von Mutter und Tochter Hubatschek zum Thema „Frauen in den Alpen“. Irmtraud Hubatschek wandte sich in einer Präsentation zusätzlich ans Publikum. Nachfolgend ein Gespräch mit Irmtraud Hubatschek, das im Anschluss an ihre Präsentation inmitten ihrer Fotoausstellung stattfand.
Kurt Schnidrig: Frau Hubatschek, Sie präsentieren die Ausstellung „Frauen in den Alpen“. Warum dieses Thema? Was genau fasziniert Sie an „Frauen in den Alpen“?
Irmtraud Hubatschek: Mich fasziniert beides: Mich faszinieren Bergregionen und mich faszinieren die Lebensrealitäten von Frauen.
Glauben Sie, dass bis anhin vor allem die Männer nicht nur die Bergwelt, sondern überhaupt unser gesamtes Leben dominiert haben?
Das ist jetzt natürlich eine Fangfrage. Aber wenn ich mich zum Beispiel auf Asien beziehe, dann ist es natürlich schon so, dass in vielen Gesellschaften die Männer das Sagen haben. Zum Beispiel im buddhistischen Tibet und in Bhutan ist das wesentlich ausgeglichener. Es handelt sich dabei um interessante Fragestellungen, denen man aber länderspezifisch nachgehen muss.
Haben Sie auch in unserer Region etwelche Materialien zum Thema „Frauen in den Alpen“ gesammelt?
Im Wallis habe ich das nie versucht, weil ich von den historischen Aufnahmen meiner Mutter ausgehe, die zwischen 1939 und 1959 entstanden sind, sie machen die Hälfte der Porträts in dieser Ausstellung aus. Die andere Hälfte der Porträts habe ich dann im Himalaya, im Karakorum und im Hindukusch gemacht.
Liesse sich sagen, dass Frauen in den Bergen auf der ganzen Welt etwas Gemeinsames haben?
Frauen in den Bergen haben auf der ganzen Welt sehr viel Gemeinsames. Allerdings kenne ich einige Regionen dieser Welt wie zum Beispiel die Anden zu wenig gut. Aber zwischen den asiatischen grossen Gebirgen und den Alpen gibt es ganz viele Korrespondenzen, Ähnlichkeiten, Bezüge der fraulichen Lebenrealitäten.
Was verbindet die Frauen in den Bergen? Könnten Sie uns dazu etwas Kontext liefern?
Die gemeinsamen Aktivitäten sind schlicht und einfach die Nahrungsbeschaffung, das Überleben, dazu auch der Umgang mit Tieren, der Ackerbau. Wir haben es meistens mit Steilhängen zu tun, im Himalaya und in Nepal sind die Steilhänge stark besiedelt. Die Siedlungsdichte ist sehr viel grösser als in den Alpen. Die Terrassenlandschaften kennen wir zwar auch aus den Alpen, da sind aber die Siedlungs- und Wirtschaftsflächen nicht sehr steil. Aber die Tätigkeiten ähneln sich, es wird zum Beispiel mit Ochsen oder mit Yaks gepflügt. Da lassen sich sehr viele gemeinsame Bezüge feststellen.
Nun war ich bei Ihnen in Ihrem Vortrag über Korsika. Für uns ist Korsika eine Ferieninsel. Auf Korsika ragen Berge in den Himmel, die noch gar nie bezwungen wurden…
Korsika ist eine Insel, die für Strand und Meer und Ferien steht. In der Vergangenheit war die Insel jedoch vermehrt ein Anziehungspunkt für Bergsteiger und für Expeditionen im Kleinformat, weil die Berge bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts nicht erschlossen waren.
Mit ihren Porträts wecken Sie in uns das Fernweh und die Sehnsucht nach der schönen, grossen, weiten Welt. Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg.
Gerne stecke ich andere Menschen mit Fernweh an, das bereitet mir Freude…
Text, Bild und Radiosendung: Kurt Schnidrig