
Der Vatertag ist ein Aktionstag, an dem die Vater-Kind-Beziehung ganz besonders im Zentrum steht.
Junge Väter wollen heute Verantwortung übernehmen, und dies nicht nebenbei, nicht heimlich, nicht nur während des Vaterschaftsurlaubs von zwei Wochen, sondern sichtbar und für immer. Die Bindung zwischen Vater und Kind entsteht nicht einfach so. Sie entsteht durch Zeit. Durch Dasein. Und durch gezielte Aktivitäten wie gemeinsam spielen oder lesen.
Ein junger Vater, nennen wir ihn Theo, hat zum Vatertag einen Brief ans Oberwalliser Männerbüro geschrieben. Sein Brief ist ein Plädoyer für mehr Zeit, die ein Vater mit seinen Kindern verbringen darf: «Weil ich meine Partnerin an meiner Seite nicht allein tragen lassen will, was eigentlich auf zwei Schultern verteilt gehört», schreibt Theo, «und weil unsere Gesellschaft Familien nicht romantisieren darf, während sie ihnen die Zeit verweigert, die sie brauchen.»
Ein Vater erzählt
Wenn Theo heute über seine Rolle als Vater schreibt, tut er das mit der Erfahrung von zwei Geburten. «Zweimal eine intensive Erfahrung voller Bewunderung für meine Frau», schwärmt Theo, «zweimal das Kennenlernen von neuen kleinen Säuglingen, die ständig lernen und wachsen.»
Theo ist fasziniert von seiner Vaterrolle: «Das erste unsichere Wechseln der Windel wird zur Routine, die man im Halbschlaf erledigen kann. Das erste Wort wird zum Zwei-Wort-Satz, und dazwischen bildet das Kind seinen eigenen Willen. Der erste gemeinsame Ausflug, die erste Übernachtung bei den Grosseltern, das erste Mal mit dem Kind beim Fussball. Man erlebt unglaublich viel. Und man lernt.»
Theos Töchterchen ist gerade wenige Tag alt, als er zu erklären versucht, was nur schwer in Worten wiederzugeben ist: Es sei die besondere Kraft, die ein neues Kind in eine Familie trage. Und gleichzeitig sei dieses Kind so dringend auf Schutz und Zeit angewiesen. «Momentan begleitet mich bei meinem zweiten Kind ein französisches Lied: Elle a ce tout petit supplément d’âme, cet indéfinissable charme cette petite flamme – sie hat dieses kleine bisschen mehr an Seele, diesen undefinierbaren Charme, diese kleine Flamme.»
Theo fühlt sich als Elternteil übergangen. In der Schweiz sei das Private auch politisch, meint er nachdenklich. «Bei uns soll eine Frau nach der Geburt sechs Wochen im Wochenbett bleiben, aus gutem Grund. Und der andere Elternteil? Nach zwei Wochen soll der Mann wieder im Betrieb stehen, so, als wäre nichts gewesen. Zwei Wochen, um eine völlig neue Familiendynamik zu stemmen, um eine Partnerin zu unterstützen, die sich körperlich im Ausnahmezustand befindet. Zwei Wochen nur, um ein neues Menschenleben kennenzulernen.»
Wie soll das gehen? Der junge Vater Theo ist mit seinem Plädoyer für mehr väterliche Zeit nicht alleine, er teilt seine Besorgnis mit vielen anderen modernen Vätern. Sie entsteht durch die kleinen Routinen, die man nicht planen kann, die vielmehr mit der Zeit entstehen.
Das alles hat Theo auch im Vatercrashkurs mitbekommen. «Man lernt sehr viel. Von Medizinischem bis hin zu der Frage, was es heisst, Verantwortung für einen kleinen Menschen zu tragen.»
Lesen im Vatercrashkurs
Im Vatercrashkurs überdenken die Teilnehmenden ihre eigene Lebenssituation neu und fragen sich im Hinblick auf das «Familie-Werden» bzw. «Familie-Sein» gezielt, wie sie ihren beruflichen Alltag so gestalten können, dass berufliche Entwicklung, das Erhalten persönlicher Freiräume, wie auch die Ausgestaltung positiver, persönlichen Beziehungen, vor allem zur Partnerin und zum Kind, ihren Platz finden.
Bücher sind nicht nur etwas für Kinder, sondern auch für Väter. Lesen kann eine wunderbare Möglichkeit sein, um Bindungen zwischen Elternteilen und Kindern zu stärken. Es gibt viele Gründe, warum Väter Bücher mit ihren Kindern lesen sollten.
Insgesamt gibt es viele gute Gründe dafür, dass Väter mit ihren Kindern Bücher lesen sollten – von der Stärkung der Bindung bis hin zur Förderung von Empathie und besseren Schulleistungen. Wenn man zusammen ein Buch liest, schafft man gemeinsame Erfahrungen und Erinnerungen, die ein Leben lang halten können.
Lese-Klassiker für Väter
Im Buch „Der Junge, der Träume schenkte“ des Autors Luca Di Fulvio zum Beispiel unterstützt ein Vater seinen Sohn dabei, seine Träume zu verwirklichen und ihm eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Die Geschichte zeigt die Bedeutung, die einer starken Beziehung zwischen Vater und Sohn zukommt, und sie belegt, wie wichtig es ist, seinen Kindern behilflich zu sein, ihre Lebensziele zu erreichen.
Die Erziehungsratgeber von Jesper Jul sind seit Jahren eine angesagte Einstiegslektüre auch für Väter. Der dänische Autor ist ein angesagter Familientherapeut. In seinem Buch gibt er praktische Ratschläge, wie sich eine starke Beziehung zu den eigenen Kindern aufbauen lässt. Den Fokus legt er dabei auf eine respektvolle und gleichberechtigte Beziehung zwischen Eltern und Kindern.
Das Ausfüll-Buch «Papa, erzähl mal!» der Autorin Elma van Vliet bietet eine grossartige Möglichkeit für Väter, ihre Lebensgeschichte mit den Kindern zu teilen, aus der eigenen Kindheit oder aus dem späteren Berufsleben zu erzählen. Das Ausfüllen des Buches erlaubt es Vätern, ihren Kindern zu zeigen, wer sie wirklich sind und welche Erfahrungen sie im Leben gemacht haben.
Spielbücher aus dem Wallis sind an Familientagen besonders beliebt. Les Éditions Valexpérience ist ein Walliser Kinderbuchverlag, der seit 2019 Kinderbücher veröffentlicht, die einen Bezug zum Wallis haben. Phil Schüpbach ist der Leiter des Verlagshauses und zugleich Autor von Wimmel- und Spielbüchern, wozu ihn nicht zuletzt auch die väterlichen Lese- und Erzählaktivitäten mit seinem Sohn motiviert haben. Nach der Veröffentlichung der Wimmelbücher Walla, folgte in Zusammenarbeit mit dem Künstler Julien Valentini das Spielbuchs «Tschäggättä – Der Geist des Frühlings». Derzeit arbeitet Phil Schüpbach an der Umsetzung des 4. Bandes der Wimmelbuchreihe WALLA. Erzählt wird die Geschichte des Wallis von der Steinzeit bis in die Zukunft, und dies aus einer ganz persönlichen, humorvollen und fantasievollen Perspektive.
Literatur:
- Luca di Fulvio: «Der Junge, der Träume schenkte». 784 Seiten. Lübbe, Neuauflage 2026
- Jesper Jul: «Mann und Vater sein». 208 Seiten. Herder 2022
- Elma van Vliet: «Papa, erzähl mal!» 144 Seiten. Verlag Elma van Vliet, 2024
- Wimmelbuchreihe «Walla». Les Éditions Valexpérience 2026
Hinweis: Dieser Beitrag erschien auch auf pomona.media/rro im Online-Portal der Zeitung „Walliser Bote“ unter „Kultur“. Text und Bild: Kurt Schnidrig