
Oftmals möchte man ja höflich sein gegenüber den Mitmenschen, man möchte nicht als Querulant und als Nein-Sager dastehen. So kommt es, dass wir häufig Dinge tun, die wir eigentlich gar nicht hätten machen wollen. „Sag Ja zum Nein Sagen“ – so heisst das Ratgeber-Buch des Arztes und Psychotherapeuten Klaus Blaser.
Warum ist es häufig so schwer, Nein zu sagen? Vielfach hängt dies mit unserer Erziehung zusammen. Wir lernen bereits in unserer Kindheit, dass wir für andere da sein sollten, dass man kein Ego sein sollte, dass man nicht immer nur an sich selbst denken sollte. Diese Erziehung ist natürlich in vielen Fällen richtig und stimmig.
Wenn mich eine Kollegin kurz vor Büroschluss bittet, doch noch dieses oder jenes zu erledigen, kann ich doch nicht immer nur nein sagen. Oder zu Hause: Werde ich um meine Mithilfe bei den Hausarbeiten gebeten, kann ich ganz einfach nicht immer nein sagen, auch wenn ich vielleicht Besseres zu tun hätte.
Immer wieder geraten wir jedoch in Situationen, die der eigenen Überzeugung zuwiderlaufen, Situationen, wo sich alles in mir dagegen sträubt und wehrt. In solchen Situationen ist es angebracht, selbstbewusst und ohne zu zögern „Nein“ zu sagen.
Der Arzt und Psychotherapeut Klaus Blaser schreibt in seinem Buch von „Spürerfahrungen“: Alle sollten wir vermehrt spüren lernen, ob eine Anfrage oder eine Situation zu den eigenen Überzeugungen passt oder nicht. Wenn dies nicht der Fall ist, sollte man völlig selbstbewusst „Nein“ sagen.
Echte und wahre zwischenmenschliche Nähe muss hin und wieder auch ein respektvolles „Nein“ ertragen können. Diese Einsicht fehlt uns oftmals. Deshalb ist es auch nicht leicht, zu jemandem, dem man nahesteht, auch hin und wieder selbstbewusst „Nein“ zu sagen.
Es braucht die Überzeugung, dass man die eigenen Gefühle wahrnehmen muss und dass man dem eigenen Herzen folgen sollte. Nein zu sagen ist auch ein ewiges Lernen. Der Arzt und Psychotherapeut Klaus Blaser schreibt dazu, dass Selbstbewusstsein und Selbstliebe wichtig sind, um die eigenen Grenzen kommunizieren zu können. Es gilt, zuweilen die eigenen Bedürfnisse über fremde Forderungen zu stellen.
Wer sich für ein „Nein“ entschieden hat, sollte dieses Nein auch mit einem entschiedenen Auftritt zum Ausdruck bringen. Wer Nein sagt, der muss auch Nein meinen, und das Nein sollte man auch klar, überzeugend und selbstbewusst kommunizieren.

Im Buch „Sag Ja zum Nein sagen“ findet sich dazu auch ein Trainingsprogramm zur Stärkung der eigenen Grenzen.
Text, Bild und Radiosendung: Kurt Schnidrig