
Junge Schreibende wie Veronika Menath sind geprägt von einer kriegerischen Welt. Sie setzen die Tradition der weltweiten Antikriegsliteratur fort und schreiben gegen eine kriegerische Welt an.
Viele ihrer Geschichten handeln vom Krieg. Die Grosseltern der Autorin haben den Zweiten Weltkrieg in Deutschland miterlebt. Veronika Menath sagt: „Das Thema Krieg hat mich geprägt. Ich habe mich immer wieder mit dem Krieg beschäftigt, jetzt ist dieses Thema auch in mein Schreiben eingeflossen.“ Die kriegerischen Auseinandersetzungen, das Gefangensein in Lagern, die zerstörten Städte – all dies sind traumatische Reflexionen, die auch in unseren Tagen wieder traurige Aktualität erlangen. Es sind Reflexionen auch zum aktuellen Nahostkonflikt, zum Iran-Krieg oder zum Ukraine-Krieg.
Trotz des familiären Hintergrunds seien ihre Geschichten jedoch keineswegs nur autobiographisch, betont die Autorin. Ihr Buch «Manche Wände sind unsichtbar» enthält teils auch fiktive Geschichten. Damit reiht sie sich ein in die lange Tradition von Antikriegsliteratur.
«Die Waffen nieder!»
„Keinem vernünftigen Menschen wird es einfallen, Tintenflecken mit Tinte, Ölflecken mit Öl wegputzen zu wollen – nur Blut, das soll immer wieder mit Blut ausgewaschen werden!“ Das Zitat stammt aus dem Klassiker der Antikriegsliteratur. Im Roman mit dem Titel «Die Waffen nieder!», erstmals 1889 veröffentlicht, beschreibt die Autorin Bertha von Suttner die europäischen Kriege aus einer fiktiven, jedoch historisch fundierten Perspektive. Durch gesammelte Artikel, Briefe und Tagebucheinträge lässt Suttner ihre Protagonistin, die Gräfin Martha Althaus, ihre anfängliche Begeisterung für den Krieg und den militärischen Heldenmut hinterfragen und schließlich in eine tiefgehende Ablehnung des Krieges umschwenken. Suttner hinterfragt die Kriegsgründe und wagt zutreffende Vorhersagen. All dies brachte der Autorin als erster Frau der Welt den Friedensnobelpreis ein.

Kein Buch könnte in einer sich zunehmend polarisierenden Welt aktueller sein als Suttners nun schon fast 140 Jahre alter Klassiker. Der virtuos geschriebene Roman fasziniert Leserinnen und Leser bis heute. Er begeisterte bereits zahlreiche Schriftstellerinnen und Schriftsteller wie Stefan Zweig, Lew Tolstoi oder Klaus Mann. Suttners Roman könnte auch heute noch als Schullektüre dienen und somit junge Menschen sensibilisieren und zum Nachdenken über Krieg und Frieden anregen.
Bertha von Suttners Roman „Die Waffen nieder!“ ist neben Erich Maria Remarques „Im Westen nichts Neues“ der wichtigste Antikriegsroman der Weltliteratur. Man hoffte damals auf eine neue Zeit die sich vielversprechend ankündigte mit dem Slogan: «Pax Aeterna – der ewige Frieden».
Im Jahr 2022 kam die erste deutschsprachige Verfilmung des Remarque-Romans «Im Westen nichts Neues» in unsere Kinos. Die Roman-Verfilmung wurde gleich mit vier Oscars ausgezeichnet. Der Roman und seine Verfilmung heben das etablierte Setting des Schützengrabens hervor und bieten einen tiefen Einblick in die Schrecken des Krieges und die menschlichen Abgründe, die mit militärischen Auseinandersetzungen einhergehen..
Frühlingserwachen einer Generation
Heute heizt die Drohung des Iran mit einem zweiten Vietnam-Krieg die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten an. Die Geschichte wiederholt sich. Ende der 60er-Jahre stand die Jugend dieser Welt auf, um gegen das Establishment anzukämpfen, gegen eine etablierte bürgerliche Gesellschaft, die auf Erhalt des Status quo bedacht war. Die Protestgeneration der 68er hat den Staat als Herrschaftsinstrument abgelehnt. Viele der Protagonisten damals konnten sich auf literarische Vorbilder stützen. Der Staat ist ein seelenloser Moloch, schrieb Franz Kafka.
In diesen Tagen und Wochen legen die USA und Israel grosse Teile des Irans in Schutt und Asche. Iranische Rachefeldzüge gegen die mit den USA verbündeten Länder sind die Folge. Dabei hatte der Iran vor nicht einmal 10 Jahren einen Aufbruch erlebt, der als die 68er Revolution der iranischen Jugend bezeichnet wurde. Wie damals in den Sechzigerjahren weltweit, ist es auch im Iran ein System, das Gehorsam und Konformität über Freiheit und Selbstverwirklichung stellt. Und wie grosse Teile der Studierenden in den fünfziger und sechziger Jahren, wenden sich Teile der iranischen Jugend von Staat und Politik ab.
Die oftmals belächelte Hippie-Bewegung hatte sich als starke Gegenkultur formiert, deren Höhepunkt der Protest gegen den Vietnamkrieg war. Mit Blumen im Haar und in den Gewehrläufen, aber auch mit philosophischen Schriften und literarischen Werken, formierte sich eine Antikriegsbewegung, die Tausende Studierende und Bürgerrechtler mobilisierte. Sie war mitverantwortlich für das Ende des Vietnamkriegs. Was davon erhalten blieb, ist ein Friedensaktivismus, der bis heute anhält (vgl. Kurt Schnidrig: «Vergiss nicht die Blumen in deinem Haar» Roman in der Club 73 international edition, 2018).
Kein Silberstreifen am Horizont
Lange ist es den Supermächten USA und Sowjetunion gelungen, die Welt untereinander aufzuteilen. Damit haben sie innerhalb ihrer Einflusszonen oftmals ein offenes Kriegsgeschehen verhindert. Nach der Zeit des Kalten Kriegs haben sich die USA als Weltpolizist verstanden und haben eine Weltordnung in ihrem Sinne durchgesetzt. Staaten wie China, Indien oder Saudi-Arabien haben nun aber die Machtverhältnisse auch auf ihre Seite gezwungen. Durch den Ukraine-Krieg, den Iran-Krieg, den Krieg in den palästinensischen Gebieten und im Sudan ist die Sicherheitsarchitektur weltweit und auch in Europa brüchig geworden.
Wie weiter? Bei Friedengesprächen soll oftmals ein «Quick Fix», ein schneller Deal, ein Kriegsgeschehen beenden. Bomben, Raketen und Drohnen sollen Kriege beenden. Die eigentlichen Ursachen und Probleme bleiben damit aber ungelöst. Viele Kriege beginnen niederschwellig und eskalieren mit der Zeit. Dass sich Waffengewalt nicht auch noch mit Waffen bekämpfen lässt, ist zwar einleuchtend. Diese Einsicht entzieht sich jedoch der Lernfähigkeit der Politik weltweit, die sich den Frieden mit Hilfe von waffenstarrender Aufrüstung erhofft.
Dagegen belegen die Weltgeschichte und insbesondere die Literaturgeschichte: Das Schreiben gegen den Krieg, die Antikriegsliteratur und deren Verfilmung, spielen eine zentrale Rolle, um die Antikriegshaltung zu manifestieren und ein Gemeinschaftsgefühl gegen den Krieg zu schaffen.
Literaturangaben
- Bertha von Suttner: Die Waffen nieder! Eine Lebensgeschichte. Vollständige Neuausgabe, LIWI Verlag, Göttingen 2022.
- Erich Maria Remarque: Im Westen nichts Neues. Roman-Verfilmung 2022.
- Lew Tolstoi: Krieg und Frieden. Neuübersetzung. Taschenbuch dtv. 2011.
- Kurt Schnidrig: Vergiss nicht die Blumen in deinem Haar. Roman. Club 73 international edition 2018.
- Veronika Menath: Manche Wände sind unsichtbar. Kurzgeschichten. Schnidrig Verlag GmbH 2025.
Hinweis: Dieser Beitrag erschien auch auf pomona.media/rro und im Online-Portal der Zeitung „Walliser Bote“ unter Kultur. Text und Bild: Kurt Schnidrig