
„Literatur-Hängert“ im April 2026: Die Krimi-Autorin Brigitta Winkelried setzt die Reihe ihrer Regio-Krimis fort. In „Mord am Matterhorn“ rollt sie einen Kriminalfall auf, der mit einem Todesfall auf der berühmten Skitour „Haute Route“ beginnt. Wie bereits in ihren bisherigen Krimis, versucht Kommissar Steinalper den mysteriösen Todesfall aufzuklären. Als ehemaliger Bergretter scheint er dazu prädestiniert zu sein. Keine leichte Aufgabe allerdings für den Kommissar, denn weitere unheimliche Todesfälle in Sportlerkreisen lassen die Menschen im Matterhorndorf aufschrecken. Im „Literatur-Hängert“ spricht die Autorin auch über ihren Werdegang und über ihre Vorlieben beim Schreiben von Krimis.
Kurt Schnidrig: Brigitta Winkelried, wir kennen uns bereits seit vielen Jahren. Mitte der 1980er-Jahre haben wir beide im Institut St. Ursula in Brig unterrichtet. Du hast Schule gegeben in der Handelsmittelschule und ich im Lehrerseminar. Du hattest damals Fächer unterrichtet wie Buchhaltung und Wirtschaft. Hattest du damals das Schreiben von Krimis bereits geplant?
Brigitta Winkelried: Wir beide haben uns auch in den Konferenzen im Institut zuweilen gesehen. Ich hatte damals Handelsschülerinnen unterrichtet. Ich erinnere mich noch sehr gut, dass wir beide zusammen mit unseren Klassen einen Ausflug unternommen haben. Im Brigerberg haben wir damals am Feuer unsere Cervelats gebraten.
Hattest du damals schon daran gedacht, dereinst Krimi-Autorin zu werden?
Nie im Leben. Ich war mit Leib und Seele Handelslehrerin. Ich habe diesen Beruf an der Uni Bern studiert. Ich hatte viel für die Schule gearbeitet. Ende der 1980er-Jahre habe ich dann auch noch an eine andere Schule gewechselt. Erst seit meiner Pensionierung im Jahr 2018 habe ich herausgefunden, dass Jassen und Lismen nicht so mein Ding sind. Da kam ich auf die Idee, es doch mal mit dem Schreiben von Krimis zu versuchen.
Haben die Wirtschaftsfächer, die du unterrichtet hattest, auch etwas mit Krimis zu tun?
Das würde ich auf jeden Fall bejahen. Ich hatte nebst Wirtschaftsfächern auch Rechtskunde unterrichtet. Jede polizeiliche Arbeit geschieht in einem rechtlichen Rahmen, dabei müssen Vorschriften eingehalten werden. Wie läuft zum Beispiel eine Strafuntersuchung ab? Eine Strafprozessordnung? Über diesen Background verfügte ich also bereits. Es kommt dazu: Viele Motive bei Mordfällen sind wirtschaftlicher Art. Oft geht es ja vor allem um Geld, und Geld ist ja vorwiegend eben auch Wirtschaft.
Damit sind wir bei deinen Regio-Krimis, die alle irgendwo im Oberwallis sich abspielen…
Ja, das stimmt. Meine Hauptfigur ist der Kommissar Edgar Steinalper. Er ist für den gesamten Raum Oberwallis zuständig. Mein erster Krimi war im Raum Brig-Glis und Naters verortet. Es ist dies auch die Region, die ich am besten kenne. Dabei ging es um ein Demenz-Medikament. Dazu muss man wissen: In allen meinen Krimis geht es um ein Hauptthema. Auch in meinem zweiten Krimi „Der Tote im Wolfspelz“, der auf der Bettmeralp und auf der Riederalp sich abspielt, geht es nicht nur um das Thema Wolf, das ja immer aktuell ist, sondern auch um den Tourismus, um Bahnen, um Wirtschaft. Im dritten Roman „Die Vergeltung des Engels“ geht es auch um ein Thema, mit dem sehr viel Geld gemacht wird, es geht um spirituelle Medien und deren Auswirkungen auf die Jugendlichen. Mein vierter Roman „Mord hinter dem Vorhang“ beginnt im Briger Kellertheater. Er handelt von einem jungen Mann, der adoptiert wurde, der anders ist als die anderen, denn er ist schwul. Als Drag Queen versucht er Furore zu machen und zu Geld zu kommen. Mein fünfter Krimi, der jetzt im April herauskommt, spielt in Sportlerkreisen. Der Titel heisst „Mord am Matterhorn“.
Da erinnere ich mich an eine Spurensuche zum Krimi „Mord hinter dem Vorhang“, auf die du mich damals mitgenommen hattest. Du hast mir Orte und Stellen gezeigt, die dich zu diesem Krimi inspiriert haben. Wie geht die Recherche-Arbeit bei dir vonstatten?
Bei den bisher fünf Krimis, die ich verfasst habe, hat die Recherche immer mehr Raum eingenommen. Das hängt damit zusammen, dass ich im Verlauf meines Krimi-Schreibens immer anspruchsvolle Themen gewählt habe. Dazu fehlten mir manchmal die Kenntnisse. Deshalb war ich immer auf der Suche nach jemandem, der mir meine Fragen beantworten konnte. So findet sich in meinem fünften Krimi am Schluss auch eine Liste mit Personen, die mir bei meiner Recherche-Arbeit geholfen haben. Bei anderen Krimis habe ich auf eine Angabe von Quellen verzichtet, weil ich die Personen, die mir weitergeholfen haben, schützen möchte. Auch im fünften Roman habe ich nicht alle Helferinnen und Helfer aufgeführt, denn es geht mir dabei auch um den Persönlichkeitsschutz.
Brigitta Winkelried – du hast dir einen Autoren-Namen zugelegt. Wie kommt das?
In Wirklichkeit steht auf meinem Pass „Brigitta Imwinkelried“. Auf meinen Büchern jedoch steht „Brigitta Winkelried“. Bei der Herausgabe meines ersten Buches habe ich mir gedacht, dass es doch besser sei, zwei Buchstaben von meinem ursprünglichen Namen wegzulassen. Als typische Schweizerin habe ich mich zudem daran erinnert, dass es ja auch einen tapferen Mann in der Schweizergeschichte gab, der den Namen „Winkelried“ trug. Ich war ja damals ebenfalls tapfer in das Abenteuer Krimischreiben gestartet…
Als Brigitta Winkelried hast du dich dann auf die Suche nach einem passenden Verlag gemacht. Wie bist du vorgegangen?
Ich habe mit dem Schreiben begonnen wie ein Nichtschwimmer, der ins kalte Wasser springt. Ich hatte absolut keine Ahnung von der Buchbranche. Im Verlauf der vergangenen Jahre habe ich etwas Einblick bekommen, wie die Branche läuft. Viele Verlage bekommen Hunderte von Manuskripten, von denen sie eines oder zwei auswählen. Vier von meinen fünf Büchern sind nicht in einem professionellen Verlag erschienen. Sie sind in einem kleinen Verlag herausgekommen, der nicht viel Werbung macht. Nun habe ich mein fünftes Buch bei einem Krimi-Verlag in Deutschland herausgegeben, beim Gmeiner Verlag, da wird aus meiner Sicht professionell gearbeitet. Ich habe ein PDF zurückbekommen mit Anmerkungen etc., was bei meinem früheren Verlag nicht der Fall war.
Naturgemäss haben grössere Verlage auch Vorteile. Ist es aber halt nicht auch so, dass grössere Verlage den Autoren auch Vorschriften machen. Wie gross sind deine Freiheiten als Autorin? Es soll auch schon vorgekommen sein, dass beispielsweise der Schauplatz des Krimis seitens des Verlags vorgeschrieben wurde. Welche Freiheiten räumt man dir als Krimi-Autorin ein?
Es werden beispielsweise schon etwa die Anzahl Zeichen vorgegeben, damit der Krimi noch interessant bleibt. Das Geschehen meines fünften Romans habe ich selbst so gewählt und bestimmt. Sicher wäre keine andere Autorin oder kein anderer Autor auf die Idee gekommen, den Krimi so zu schreiben, wie ich ihn geschrieben habe. Ich denke, dass war mit ein Grund, warum ich von diesem Verlag eine Chance erhalten habe. Vorgängig habe ich mein Manuskript an viele Verlage geschickt und musste oftmals leer schlucken, weil ich eine Absage bekommen habe. Das ist ein knallhartes Business, der Krimi muss ins Verlagsprogramm passen. Es lohnt sich alles erst, wenn ein Krimi auch für ein Publikum in Deutschland oder Österreich interessant sein kann. Ein Krimi, der in Brig spielt, interessiert nicht viele Leser. Das Matterhorn mit Zermatt aber, sowie die Sportarten, die da betroffen sind, werden wohl viele Leserinnen und Leser interessieren.
Hast du die Protagonisten aus deinen bisherigen Krimis beibehalten? Kommt dein Kommissar «Stockalper» auch in deinem neuen Krimi wieder vor?
In allen meinen Krimis ist Kommissar Steinalper für die Ermittlungen zuständig. Auch seine Assistentin und sein Assistent sind immer gleichgeblieben. Im Prinzip finden sich in meinen Büchern sogar sechs Ermittler. Auf den Buchzeichen, die ich seit meinem 3. Band herausgebe, befinden sich jedoch nur drei Ermittler, nebst Kommissar Steinalper auch noch Inspektor Lauber und Inspektorin Zurwerra. Diese drei Personen bilden das «Kern-Team», sie sind bereits seit den Anfängen mit dabei. Mein Kommissar heisst nicht «Stockalper», sondern «Steinalper». Diesen Namen habe ich selbst erfunden, es gibt diesen Namen gar nicht. Es ist wichtig, dass im Namen «Steinalper» auch das Wort «Alp» drinsteckt, denn ich schreibe ja Krimis aus den Alpen. Ich denke, sowas ist bedeutsam für die Leserschaft im deutschen Sprachraum.
Bei deinem Kommissar Steinalper habe ich mich unwillkürlich an Stockalper erinnert. Ich denke aber schon, dass deine Figuren auch einen Bezug zum Oberwallis haben? Liege ich da falsch?
Nein, überhaupt nicht, das ist so. Immer wieder bekomme ich von Leserinnen oder Lesern zu hören, dass sie schon wüssten, welche reale Person hinter dieser oder jener Figur steckt. Natürlich gibt es diese Personen, aber ich habe sie verändert, ich habe auch noch andere Aspekte diesen Persönlichkeiten beigefügt. Ich möchte auf keinen Fall jemanden verletzlich darstellen oder gar schädigen.
Brigitta Winkelried, dein neuster Krimi trägt den Titel «Mord am Matterhorn». Wie viel wollen wir deinen Leserinnen und Lesern bereits verraten? Nicht zu viel, nehme ich an, damit die Spannung beim Lesen noch erhalten bleibt? Aber so ein klein wenig die Neugierde wecken?
Das mache ich sehr gerne. Der Krimi beginnt mit einer Skitour auf der Haute Route. Dabei kommt es zu einem mysteriösen Todesfall. Sieben junge Zermatter sind auf der Haute Route unterwegs und geraten in einen Schneesturm. Sie verlieren die Orientierung. Es geht irgendwann nur noch um das nackte Überleben. Schlussendlich ist es aber nicht die Naturgewalt, die zu den Todesfällen geführt hat. Ein Skifahrer ist nicht aufgrund der Naturgewalten zu Tode gekommen. Da kommt nun Kommissar Steinalper ins Spiel. Er war früher als Bergretter tätig und hatte in Zermatt gearbeitet. Nun fällt ihm die Aufgabe zu, als Polizist zu ermitteln. Es geschehen sogar noch weitere mysteriöse Todesfälle im Matterhorndorf, immer in Sportlerkreisen. Es geht um Mord im Sport. Es geht um einen äusserst raffinierten Kriminalfall vor der Kulisse des Matterhorns. Die Überlebenden leiden unter Schuldgefühlen und haben sich vielen Verhören zu stellen. Auch später noch geschehen Morde. Aber wie und warum? Das wollen wir an dieser Stelle offenlassen. Vernissage ist am 23. April in der ZAP Brig. Ich werde nicht nur mein Buch vorstellen und daraus lesen. Ich habe auch vier Videos hergestellt, dazu wird auch die Musik von Tony Eggel und von Beat Seiler die Vernissage umrahmen. Zum Schluss werde ich mit einem spannenden Krimi-Quiz aufwarten, dabei sind tolle Preise zu gewinnen. Weitere Lesungen finden statt in der Bibliothek Steg, in der Bibliothek Naters und am Forum Aletsch-Goms.
Wie verhalten sich in deinen Krimis Wahrheit und Phantasie zueinander? Ist bei deinen Krimi-Fällen auch zuweilen ein wahrer Kern mit dabei?
Ja, da ist oftmals ein wahrer Kern dabei. Vieles, was mich in der realen Welt beschäftigt, findet in irgendeiner Form einen Eingang in meine Krimis. Zum Beispiel die Geschichte von einem Mann, der auf dem Gipfel eines Berges seine Frau zurücklässt und vorgibt, Hilfe zu holen. In den Bergen gibt es nichts, was es nicht auch wirklich gibt. Vieles, was in den Bergen geschieht, hat auch rechtliche Aspekte. Die Ermittlungsarbeit der Polizei ist gefragt.
Für die Reihe «Tatort Alpen», eine Krimi-Anthologie, hast du auch eine Geschichte beigesteuert?
Ja, auch in dieser Reihe bin ich mit einer spannenden Geschichte vertreten, die am Matterhorn sich abspielt. In dieser Geschichte agieren die gleichen Protagonisten, die auch in meinem fünften Roman vorkommen. Mein Kurzkrimi ist die letzte von elf Geschichten in dieser Anthologie.
Braucht eine Krimi-Autorin eine «morbide Ader», um über Tod und Totschlag erzählen zu können?
Eine morbide Ader habe ich nicht. Manchmal denke ich aber schon, wie es wäre, wenn ich jetzt ein Messer in der Hand hätte, und dieses Messer jemanden in den Körper stechen würde… Aber nein, ich könnte das nicht, und ich möchte das auch nicht. Meine Krimis beschreiben auch nicht derartige Situationen. Mir geht es mehr um die Ermittlungen, mir geht es um die rechtlichen Aspekte und auch um die menschlichen Aspekte. Was geschieht mit den Überlebenden? Was geschieht mit der Familie, mit Freunden und Kollegen, die jemanden verloren haben? Das ist es, was mich bewegt und zum Schreiben motiviert.
Da sind wir nun gespannt auf deinen neuen Krimi «Mord am Matterhorn». Vielen herzlichen Dank für diesen «Literatur-Hängert».
Hinweis: Den „Literatur-Hängert“ können Sie jederzeit im Originalton und in voller Länge nachhören auf pomona.ch/rro
Text, Bild und Radiosendung: Kurt Schnidrig