Tagebuchschreiben einmal anders: Kreieren Sie ein „Junk Journal“!

Ein „Junk-Journal“ hält die Erinnerungen wach und erzählt ganz eigene Geschichten (Symbolbild: Kurt Schnidrig)

Die Altjahreswoche steht an. Dem Alten Jahr gehen die Tage aus. Was bleiben wird, das sind die Erinnerungen. Noch sind sie frisch, die Erinnerungen, doch schon bald werden sie verblassen.

Wie lassen sich Erinnerungen speichern? Auf dem PC, logisch, aber irgendwann verschwinden die Bilder von sonnigen Tagen, von Ferienzeiten, von Festtagen und von Liebgewonnenem in irgendeinem Ordner. Deshalb legen sich kreative Schreibende ein sogenanntes „Junk Journal“ an.

Was aber ist ein „Junk Journal“? Liegen bei Ihnen beispielsweise nach Weihnachten, Silvester und Neujahr auch noch unzählige Karten, Fotos, Backrezepte, flotte Sprüche, gutgemeinte Wünsche und liebe Zeilen auf Brieflein oder auf Geschenkpapier herum? Hinein damit in Ihr kreatives „Junk Journal“.

Nun bedeutet ja „Junk“ etwas abwertend „Schrott“ oder „Müll“, neudeutsch auch „Waste“. Aber genauer besehen, ist Ihr „Junk“ ein Hort, ein Fundus, von unschätzbarem Wert, denn Ihr „Waste“ ist voller wundervoller Erinnerungen, die eigentlich einen besonderen Platz verdient hätten. In einem „Junk Journal“ finden Ihre besonderen und liebgewonnenen Briefe, Karten, Fotos und Notizen einen würdigen Ort.

Anstatt in irgendwelchen Schubladen in Vergessenheit zu geraten, erzählen Sie Ihnen immer wieder Geschichten, und sie halten die Erinnerungen am Leben. Ein „Junk Journal“ ist ein kreatives Notizbuch. So wie in dem wundervollen Gedicht des norddeutschen Dichters Theodor Storm beschrieben:

Ein grünes Blatt

Ein Blatt aus sommerlichen Tagen,
Ich nahm es so im Wandern mit,
Auf daß es einst mir möge sagen,
Wie laut die Nachtigall geschlagen,
Wie grün der Wald, den ich durchschritt.

Ein «Junk Journal» ist aber mehr als einfach nur eine Collage in einem Heft oder zwischen Buchdeckeln. Ein «Junk Journal» ist ein persönliches Tagebuch aus Ihrem Leben, ein Zeugnis Ihrer Kreativität. Alles, was Ihnen wichtig ist, alles, was für Sie eine besondere Bedeutung hat, darf im «Junk Journal» einen bleibenden Platz finden. Scheinbar nutzlose Dinge lassen sich in einem neuen Kontext präsentieren.

Alle Ihre kleinen Schätze lassen sich im «Junk Journal» aufbewahren. Durch zusätzliches Arrangieren und Dekorieren lässt sich das «Junk Journal» zusätzlich in ein ganz persönliches Kunstwerk verwandeln. Derart aufgearbeitet, kann ein «Junk Journal» als ein meditativer Raum Ihre eigenen Gedanken und Gefühle kunstvoll wiedergeben.

Es lässt sich zum Beispiel ein Reisetagebuch herstellen mit Flug-Tickets, Fotos und weiteren Erinnerungsstücken. Oder ein Inspirations-Journal mit vielen Ideen, ein veritabler Projektplaner, mit Plänen, mit Skizzen und mit Materiallisten. Bestimmt wird man irgendeinmal darauf zurückgreifen, wenn die Zeit dafür reif ist.

Eine nicht zu unterschätzende Bedeutung für Ihre mentale Gesundheit hat ein «Junk Journal» überdies: Durch das Schreiben, Zeichnen, Kleben und Gestalten lassen sich die eigenen Gefühle, Träume und Ängste, aber auch die eigene Kreativität auf konstruktive Art und Weise verarbeiten und am Leben erhalten. All das fördert die Selbstreflexion. Das Ziel ist nicht die Perfektion, sondern die Freude am Experimentieren, Entdecken und Erschaffen.

Hören Sie dazu den Podcast aus der Sendung Literaturwelle von Radio Rottu Oberwallis (Quelle: rro / Kurt Schnidrig / Tiziana Imoberdorf / Daniel Theler)

Text, Bild und Radiosendung: Kurt Schnidrig