Wie steht es um den Oberwalliser Dialekt in Zukunft? Oberwalliser Schreibende wagen Prognosen

Der Sprachwissenschaftler und Dialektforscher Sandro Bachmann arbeitet beim Schweizerdeutschen Wörterbuch in Zürich (Bild: Kurt Schnidrig)

Sie sind fasziniert vom Oberwalliser Dialekt und forschen beim Schweizerdeutschen Wörterbuch (Idiotikon) in Zürich: Gabriela Bart und Sandro Bachmann. Gabriela Bart ist eine Lötschentalerin mütterlicherseits und Sandro Bachmann stammt aus Visp.

Sandro Bachmann

Der Visper Sandro Bachmann hat an der Universität Zürich Sprachwissenschaften studiert und arbeitet jetzt beim Schweizerdeutschen Wörterbuch. Die Begeisterung für die Mundart verlaufe wellenartig, sagt er.

Immer wieder werden Befürchtungen laut, dass der Walliser Dialekt eingeebnet werde oder sogar ganz verschwinden würde. Doch dazu hat Sandro Bachmann eine klare Meinung: Unser Dialekt werde nicht verschwinden, beruhigt er. Und warum nicht? Die Antwort auf diese Frage ist komplexer als man denkt, denn es komme sehr darauf an, an welchen Bereich des Dialektes man dabei denke, sagt Sandro Bachmann.

Der Wortschatz des Walliser Dialekts sei nun tatsächlich ein Bereich, der sich immer mehr einebnen werde, stellt Bachmann fest. Dies vor allem deshalb, weil die Mobilität derart stark zugenommen habe. Durch die vielen sprachlichen Kontakte mit Andersdialektalen und Anderssprachigen passen wir Walliser unseren Dialekt und insbesondere unseren Wortschatz teilweise an.

Im Bereich der Grammatik jedoch ist unser Anpassungsverhalten weniger ausgeprägt. Die Besonderheiten der Grammatik würden sich viel weniger schnell verändern, sie seien viel stabiler, gibt sich Sandro Bachmann überzeugt. Zusammenfassend liesse sich sagen, dass der Sprachwandel in den verschiedenen Bereichen der Sprache also sehr unterschiedlich schnell verläuft.

Gabriela Bart arbeitet beim Schweizerdeutschen Wörterbuch in Zürich und beschäftigt sich in ihrer wissenschaftlichen Arbeit unter anderem auch mit dem Lötschentaler Dialekt (Bild: rro)

Gabriela Bart

Gabriela Bart arbeitet ebenfalls beim Schweizerdeutschen Wörterbuch in Zürich. Ihre Mutter ist eine Lötschentalerin aus Wiler. Gabriela Bart ist jedoch im Kanton Zug aufgewachsen und sie wechselt hin und her (sie „switched“) zwischen dem Walliser Dialekt und dem Zuger Dialekt

In ihrer wissenschaftlichen Arbeit befasst sich Gabriela Bart mit dem Lötschentaler Dialekt. Immer noch lassen sich auch heute noch Besonderheiten und hoch interessante Merkmale dieses Dialekts in der gelebten Sprache feststellen, stellt Gabriela Bart fest. Dies ist beispielsweise der Fall beim typischen Lötschentaler Genitiv. Nur noch im Lötschental und vielleicht auch noch im Bündnerland sage man „ds Vattersch Hüet“ statt „der Hüet vam Vatter“. Oder „ds Doktersch Auto“ statt „ds Auto vam Dokter“, stellt Gabriela Bart fest.

Arbeit vor Ort

Zurzeit arbeitet Werner Bellwald in seinem geliebten Lötschental an einem originellen Dialektwörterbuch. Herausgegeben hat er bereits die Dialektwörter bis zum Buchstaben B. Dialekt sei nun mal ein Teil von uns, sagt er, die Menschen möchten deshalb wissen, woher die Wörter und Bezeichnungen herstammen und was sie bedeuten. Die Dialektforschung sei genau so spannend wie eine Detektivgeschichte, sagt Bellwald.

Wie aber ist es, seiner Meinung nach, um die Zukunft des Lötschentaler Dialekts bestellt? Auf diese meine Frage hat mir Bellwald gesagt, unser Dialekt sei „toxisch“. Die junge Generation spreche praktisch Schriftdeutsch, vor allem, was den Satzbau und die Wortbildung anbelangt. In diesen Bereichen sei leider nur noch ein „leichter walliserdeutscher Akzent“ festzustellen.

Aber keine Sorge, all dies sei „normal“, beruhigt Werner Bellwald. Der Dialekt verändre sich nun mal ständig, dies sei eine Entwicklung, die bereits seit dem Althochdeutschen im Gange sei. Die Sprache würde sich nun mal ständig verändern, genauso wie unsere andere gesamte Lebenswelt auch.

Text, Bilder und Radiosendung: Kurt Schnidrig